KÖLN (dpa-AFX) - Beim Bildungs- und Ausbildungsniveau in Deutschland gibt es nach einer IW-Studie erhebliche regionale Unterschiede. Nirgends ist der Anteil der Hochqualifierten so hoch wie in Berlin, wie das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ermittelt hat. Dagegen weise Bremen den höchsten Anteil von Menschen ohne Abitur oder eine Berufsausbildung auf. Die unterschiedlichen Qualifikationsstrukturen hätten große Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung der einzelnen Regionen, heißt es in der am Montag veröffentlichten Untersuchung.

In Berlin hatten demnach 2019 rund 43 Prozent der 25- bis 64-Jährigen ein Studium absolviert oder besaßen einen Meisterbrief. Sie werden in der Studie zu den Hochqualifizierten gezählt. Ähnlich hoch sei der Anteil der Hochqualifizierten in Oberbayern mit 40,5 Prozent bei den 25- bis 64-Jährigen. München und das Umland der bayerischen Landeshauptstadt gehören zu dieser Region. Auf dem dritten Rang folge Hamburg mit 37,1 Prozent.

In Bremen hat laut der Studie fast jeder Fünfte (19,7 Prozent) im Alter von 25 bis 64 Jahren keinen Schulabschluss der Sekundarstufe II oder eine Berufsausbildung. Ähnlich hoch ist diese Quote in den nordrhein-westfälischen Regierungsbezirken Düsseldorf mit 18,4 Prozent und Arnsberg mit 18,3 Prozent. Zu diesen beiden Regierungsbezirken gehören große Teile des Ruhrgebiets.

Das IW rechnet damit, dass sich die regionalen Unterschiede beim Qualifikationsniveau in den nächsten Jahren noch verstärken könnten. So machten in den Regionen um die großen Metropolen besonders viele junge Menschen Abitur und würden voraussichtlich auch häufig eine akademische Ausbildung durchlaufen. Auch dürften diese Regionen in den nächsten Jahren durch Zuwanderung weiterhin in größerem Maße Hochqualifizierte gewinnen.

In den Regionen, in denen besonders viele Niedrigqualifizierte leben, müsse die Politik deshalb gezielt aktiv werden, um der Bildungsarmut entgegenzuwirken, fordert Studienautor Wido Geis-Thöne. "Hier müssen vor allem die Kitas und Schulen besser ausgestattet werden, damit sie die Kinder und Jugendlichen individuell fördern können." Dafür sei zusätzliches Geld notwendig, das die Kommunen in den betroffenen Regionen nur schwer allein aufbringen könnten./hff/DP/eas