DÜSSELDORF/FRANKFURT (dpa-AFX) - Unter dem Eindruck der fortwährenden Corona-Krise sind die Tarifabschlüsse in Deutschland im laufenden Jahr vergleichsweise niedrig ausgefallen. Das WSI-Institut der gewerkschaftlichen Böckler-Stiftung hat eine nominale Steigerung von 1,7 Prozent errechnet, wie es am Donnerstag berichtete. Das lag deutlich unter dem schon schwachen Vorjahr (2,0 Prozent) und erst recht unter den Werten aus den Boomjahren 2018 (3,0 Prozent) und 2019 (2,9 Prozent).

Im laufenden Jahr entwerteten stark steigende Verbraucherpreise die Tarifgehälter zusätzlich. Eine Inflationsrate von voraussichtlich 3,1 Prozent werde zu einem ungewöhnlich starken Reallohnverlust von 1,4 Prozent führen. Allerdings werde in vielen Tarifbranchen der Kaufkraftverlust durch die Zahlung von steuer- und abgabenfreien Corona-Prämien abgemildert. Die Spanne lag dabei zwischen 90 Euro in der Süßwarenindustrie und 1300 Euro im Öffentlichen Dienst der Länder ohne Hessen.

WSI-Leiter Thorsten Schulten rechnet mit einem Abflauen der Inflation im kommenden Jahr, weil einige Sondereffekte wegfielen. Für 2022 sei bei den Preisen eher wieder mit einer Normalisierung zu rechnen, während die Tariflöhne etwas kräftiger steigen könnten. "Für das von einigen an die Wand gemalte Schreckgespenst einer Lohn-Preis-Spirale findet sich in den Tarifdaten bislang keinerlei Grundlage", sagte der Tarifexperte./ceb/DP/mis