ISMAILIA (dpa-AFX) - Im Streit um die Blockade des Suezkanals hat die Kanalbehörde den Kapitän des Frachters "Ever Given" direkt für die folgenschwere Havarie verantwortlich gemacht. "Laut Aufzeichnungen drehte das Schiff bei der Einfahrt des Kanals nach rechts, und der Kapitän wollte es zurück zur Mitte lenken", sagte Sajid Schaischa, führender Ermittler der Kanalbehörde. "Er gab zu viele Befehle in sehr kurzer Zeit, etwa acht Befehle in zwölf Minuten, was dem Schiff nicht genug Zeit zur Ausführung lässt. Das Schiff ist sehr groß und es reagiert langsam." Technische Probleme habe es nicht gegeben. Schaischa hatte sich am Sonntag in Ismailia vor Journalisten geäußert.

Ein Wirtschaftsgericht in der Stadt Ismailia befasst sich mit der tagelangen Blockade der wichtigen Wasserstraße. Die "Ever Given", eines der größten Containerschiffe der Welt, lief dort im März auf Grund und blockierte den Kanal sechs Tage lang. Die Kanalbehörde fordert wegen wirtschaftlicher Verluste, Arbeiten zur Freilegung des Frachters und Schäden am Kanal rund 550 Millionen Dollar (451 Mio Euro) Entschädigung. Sie hat die "Ever Given" beschlagnahmt und will die Weiterfahrt erst bei einer Einigung erlauben. Die nächste Anhörung am Wirtschaftsgericht in Ismailia ist in drei Wochen geplant.

Die Ergebnisse ihrer Ermittlungen habe die Kanalbehörde unter anderem an die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) mit Sitz in London geschickt sowie an die japanischen Eigentümer. Die Vermutung, dass starker Seitenwind bei schlechtem Wetter möglicherweise zu dem Unfall führte, wiesen die Vertreter der Kanalbehörde zurück. Vor Einfahrt der "Ever Given" hätten mehrere Schiffe mit ähnlicher Ladung und Größe durch den Kanal erfolgreich durchfahren./jot/DP/jha