Das international tätige Softwareunternehmen SUSE hat am Dienstag seine Ergebnisse für das Q2 2021 veröffentlicht. Daraus ist zu entnehmen, dass die Nachfrage nach Cloud-Lösungen stark zugenommen hat. Demgegenüber ist das Wachstum des Unternehmens deutlich zurückgegangen. Bei der Börse hat dies dazu geführt, dass die SUSE-Aktie gleich zweistellig einbricht und sogar ihren IPO-Preis von Mitte Mai unterschreitet.

Unternehmenswachstum nimmt ab & Anleger ergreifen die Flucht 

Im Vergleich zum Jahresbeginn hat sich das Wachstum deutlich abgeschwächt. Wie der Börsen-Newcomer am Donnerstag in Luxemburg mitgeteilt hat, ist der bereinigte Umsatz zwischen Februar und April 2021 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9% auf fast 137 Millionen US-Dollar angestiegen. In den ersten sechs Monaten dieses Geschäftsjahres hat der Nürnberger noch einen bereinigten Umsatz gemeldet, der im Vergleichszeitraum um 13 % gestiegen ist.

Allerdings gilt es zu berücksichtigen, dass Investitionen in neue Mitarbeiter und in den Börsengang das Ergebnis deutlich beeinflusst haben. Insgesamt ist es für den Anbieter von Linuxdistributionen nach einem erfolgreichen ersten Quartal beim EBITDA um 3% auf 48 Millionen US-Dollar bergab gegangen. Zur Folge hatte dies, dass auch die Marge Verluste verzeichnete, welche nun 35% statt den 40% aus dem Vorjahr beträgt.

Übernahme von Rancher Labs hat sich eindeutig ausgezahlt 

Besonders profitieren konnte der in Bayern ansässige Konzern von seinen Cloud-Lösungen. Diese konnten durch die Übernahme des Kalifornischen Open-Source-Software-Unternehmens Rancher Labs im Jahr 2020 weiter vorangetrieben werden. Um satte 47 % ist dadurch der Cloud-Umsatz im zweiten Quartal 2021 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. 

Dennoch haben sich SUSE-Anleger am Donnerstag enttäuscht von den vorgelegten Zahlen gezeigt, was sich auch im Aktienkurs widerspiegelt. Das Unternehmen selbst hat jedoch mitgeteilt, dass das zweite Quartal wie erwartet ausgefallen sei. Weiterhin hat SUSE, was ein Akronym für Software- und System-Entwicklung ist, im Börsenprospekt mitgeteilt, dass der bereinigte Umsatz in diesem Jahr zwischen 550 und 570 Millionen US-Dollar und die bereinigte EBITDA-Marge bei rund 30 % liegen wird. 

SUSE – “Wichtigstes Tech-Unternehmen, von dem Sie noch nie gehört haben”

Das im Jahr 1992 gegründete Unternehmen beschäftigt heute mehr als 1.700 Mitarbeiter. Der Schwerpunkt des Konzerns liegt auf der sogenannten Open-Source-Software Linux.

Melissa Di Donato, IT-Managerin von SUSE, beschreibt ihre Firma wie folgt: „Wir sind wahrscheinlich das wichtigste Tech-Unternehmen, von dem Sie noch nie gehört haben“. Zu finden sind die Dienste beispielsweise in der Logistik für Impfstoffe oder in Betriebssystemen von Daimler und BMW. 

Der Jahresumsatz des Software-Experten betrug im Geschäftsjahr 2019/20  503 Millionen US-Dollar. Durch den Börsengang Mitte Mai und die Ausgabe neuer Aktien belief sich der Gesamtumsatz von SUSE auf 1,1 Milliarden Euro. Die Unternehmensbewertung beträgt bis zu 5 Milliarden Euro. DiDonato selbst behauptete, SUSE-Aktien zu einem Preis von mehr als 8 Millionen Euro gezeichnet zu haben.

SUSE-Aktie im freien Fall

Nach einem recht wechselhaften Debüt ist das Papier gegenüber seinem Ausgabepreis von 30 Euro nun um knapp 12% gestiegen. In der Nacht zum Mittwoch schloss die Aktie mit einem Kurs von rund 33,48 Euro. Kurs vor Börsenschluss am Donnerstag notiert die SUSE-Aktie im Xetra-Handel allerdings noch immer mit einem zweistelligen Minus von 14,90 % bei 28,49 Euro und unterschreitet damit den Kurs beim IPO. 

/sf