FRANKFURT (dpa-AFX) - Die türkische Lira bleibt trotz etwas günstigerer Inflationsdaten unter Druck. Am Donnerstag mussten für einen US-Dollar 8,62 Lira gezahlt werden, für einen Euro waren 10,50 Lira fällig. Am Mittwoch war die türkische Landeswährung zu Dollar und Euro auf Rekordtiefstände gefallen. Hintergrund sind schwere Bedenken zur Unabhängigkeit der Notenbank.

Inflationsdaten konnten der Lira am Donnerstag zunächst nicht helfen. Nach Angaben des türkischen Statistikamts betrug die landesweite Teuerung im Mai 16,59 Prozent, nach 17,25 Prozent im April. Analysten hatten eine etwas höhere Inflationsrate erwartet. Dennoch liegt die Teuerung immer noch mehr als dreimal so hoch wie das Inflationsziel der türkischen Zentralbank von fünf Prozent.

Der hohe Inflationsdruck macht dem Lirakurs seit langem zu schaffen. Erschwerend kommt hinzu, dass die schwache Lira die Inflation über teurere Einfuhren zusätzlich anheizt. Letztlich handelt es sich also um einen sich selbst verstärkenden ökonomischen Teufelskreis.

Belastet wird die Lira auch durch erhebliche geldpolitische Bedenken. Nach zahlreichen Wechseln an der Spitze der Notenbank durch Präsident Recep Tayyip Erdogan ist das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Institution schwer erschüttert. Am Mittwoch sorgte für Aufsehen, dass Erdogan nach einem Gespräch mit dem amtierenden Notenbankchef öffentlich Termine für Zinssenkungen in den Raum stellte. Die Lira war daraufhin abermals auf historische Tiefstände gefallen.

Erdogan ist ein erklärter Gegner hoher Zinsen. Nach Meinung zahlreicher Fachleute benötigt die Türkei diese zur Inflationsbekämpfung und Stabilisierung der Lira jedoch./bgf/jha/