BERLIN (dpa-AFX) - Der Kabelnetzbetreiber Tele Columbus bleibt von den Auswirkungen der Corona-Krise zwar im Vergleich zu anderen Unternehmen weitgehend verschont. Aber der SDax -Konzern hat auch so noch Baustellen, die es zu beseitigen gilt. Was bei dem Unternehmen los ist, was die Analysten sagen und was die Aktie macht.

DAS IST LOS BEI TELE COLUMBUS:

Obwohl nicht alles rund läuft beim Kabelnetzbetreiber gab es Mitte Juli doch Grund zu Freude: Das Unternehmen gehört wieder zur Dax-Familie und ist erneut in den SDax aufgestiegen. Erst im März vergangenen Jahres hatten heftige Kursverluste zum Ausscheiden aus dem Kleinwertesegment geführt.

Die Corona-Krise beeinträchtige das Geschäft zwar so gut wie gar nicht, heißt es von Seiten des Unternehmens, dennoch hat der Konzern Probleme. Im ersten Halbjahr hat Tele Columbus unter dem Strich erneut einen Verlust eingefahren. Im TV-Geschäft verliert der Konzern Kunden, deshalb rechnet das Management auch in diesem Jahr mit einem geringfügigen Rückgang der Erlöse, heißt es im Geschäftsbericht.

Klassische Fernsehprodukte werden von Streaming-Diensten abgelöst, die Nachfrage nach linearem Fernsehen sinkt. Aber gerade diese Sparte macht bei Tele Columbus mehr als 50 Prozent des Umsatzes aus. Die anderen Sparten, das Großkundengeschäft und Telefonie & Internet laufen besser.

Dazu kommen Probleme mit dem größten Aktionär: Der Telekommunikationsanbieter und Internetdienstleister United Internet hält 29,9 Prozent. Am Markt wurde bereits spekuliert, das Unternehmen könnte sich Tele Columbus irgendwann ganz einverleiben. Bei der Hauptversammlung vor etwa einem Jahr hatte sich der Großaktionär bereits mit einer eigenen Liste für den Aufsichtsrat durchgesetzt. Kritiker sprachen schon von einer "Übernahme durch die Hintertür".

Und jetzt macht United-Internet-Chef Ralph Dommermuth Druck, was das Geschäft angeht. Tele Columbus hatte bereits angekündigt, seine Finanzierung auf neue Füße stellen zu und dazu im vierten Quartal einen Plan vorzulegen. Dommermuth soll allerdings laut 'Manager Magazin' Investmentbanker engagiert haben, um die Zukunftsoptionen des Konzerns zu prüfen. Dadurch gibt es auch wieder Spekulationen um eine mögliche Aufspaltung des Unternehmens. Weiterer Großaktionär ist die Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet mit einem Anteil von 12,3 Prozent.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Goldman Sachs hat jüngst sein Kursziel nach dem zweiten Quartal auf 2,25 Euro erhöht. Der Konzern habe gezeigt, dass er trotz Krise weiter zweistellig wachsen könne, kommentiert Analyst Andrew Lee, der die Aktie auf Neutral einstuft. Analyst Akhil Dattani von der US-Bank JPMorgan bezeichnete die Ergebnisse aus dem zweiten Quartal als gemischt. Operativ hatte er weniger erwartet, bei den Investition dafür mehr. Auch er stuft die Aktie mit Neutral ein.

Dagegen empfiehlt die Commerzbank das Papier zum Kauf. Analyst Stephan Klepp sieht dabei Aufwärtspotenzial: Die strategische Neuausrichtung des Kabelnetzbetreibers dürfte im zweiten Halbjahr 2020 mit einem wahrscheinlichen Anteilsverkauf zum Abschluss kommen, vermutet er.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Die Börsengeschichte von Tele Columbus ist wenig erfolgreich. Nach dem Rekordhoch kurz nach dem Börsengang 2015 ging es fast durchweg bergab. Anfangs bewegte sich der Kurs 2015 noch oberhalb von 12 Euro, bis das Papier vor über einem Jahr nur noch etwas mehr als 1,20 Euro wert war.

Die größten Kursverluste erlitt der SDax-Konzern 2018: In diesem Jahr musste Tele Columbus zwei mal innerhalb weniger Monate seine Jahresprognose stutzen. Von mehr als 8 Euro im Mai sank der Kurs auf zeitweise 2,40 Euro August.

Anfang dieses Jahres stieg der Kurs wieder über 3 Euro, bis Corona einen neuen Absturz verursachte. Seit dem ging es wieder bergauf, an der Marke von 4 Euro war das Papier bisher allerdings gescheitert. Im laufenden Jahr kommt die Aktie damit bislang auf ein Kursplus von rund 16 Prozent. Das Unternehmen ist an der Börse damit etwas mehr als 415 Millionen Euro wert./knd/nas/he