FRANKFURT (dpa-AFX) - Beim Kabelkonzern Tele Columbus <DE000TCAG172> läuten die Alarmglocken. Zu schlechten Zahlen gesellt sich nun auch Chaos bei der Besetzung von Führungsgremien. Konsequenz: Der regional starke Anbieter ist mit seinem Kursversfall derzeit eine reine Enttäuschung für die Aktionäre. Was im Konzern los ist, was Analysten sagen und wie die Aktie zuletzt lief.

WAS IST LOS BEI TELE COLUMBUS:

Zuletzt lief es nicht rund beim drittgrößten deutschen Kabelnetzbetreiber aus Berlin. Nach einer Gewinnwarnung Ende August 2018 und einem deutlich gestiegenen Verlust waren Umsatz und Betriebsergebnis auch im ersten Quartal 2019 rückläufig. Das Unternehmen ächzt unter einer hohen Schuldenlast. Hinzu kommt ein hoher Kapitalbedarf für den weiteren Netzausbau. Inzwischen prüft das Unternehmen Optionen wie die Beteiligung von Investoren an den Netzen.

Tele Columbus ist mit seiner Endkundenmarke Pyur vor allem im Osten Deutschlands aktiv und hat insgesamt 3,3 Millionen Haushalte angeschlossen. In den Ländern Berlin, Brandenburg, Sachsen und Thüringen pendelt der Kabelmarktanteil um rund die Hälfte. In Sachsen-Anhalt und in Städten wie Leipzig, Erfurt oder Halle ist der Anbieter nach eigenen Angaben Marktführer.

In den vergangenen Jahren hatte der Konzern die kleineren Betreiber Primacom und Pepcom übernommen - und das schwierige Zusammenwachsen sorgte im vergangenen Jahr für ernüchternde Ergebnisse.

Darüber hinaus herrscht nun Streit bei dem Konzern, Großaktionär United Internet <DE0005089031> erhöhte kürzlich den Druck auf seine knapp 30-prozentige Beteiligung. Nachdem im vergangenen Jahr fast das gesamte Management ausgetauscht wurde, sei jetzt auch ein Neuanfang im Aufsichtsrat dringend erforderlich, hieß es von dem Telekommunikations- und Internetkonzern aus Montabaur. Dazu will United-Internet-Boss Ralph Dommermuth eigene Kandidaten in das Kontrollgremium entsenden. Der bisherige Aufsichtsrat von Tele Columbus sträubt sich, machte aber jüngst einen Kompromissvorschlag. Die Hauptversammlung wurde zuletzt kurzfristig auf Ende August verschoben.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Experte Akhil Dattani von der US-Bank JPMorgan machte sich zuletzt Sorgen um das schwache Betriebsergebnis sowie die unerwartet hohen Investitionen von Tele Columbus.

Maurice Patrick von der britischen Barclays Bank sieht allerdings in den Signalen des Managements für eine Stabilisierung des Geschäfts in diesem Jahr positive Zeichen. Bei den zu prüfenden strategischen Optionen sei wohl eine Verringerung der Schuldenlast geplant, andererseits aber auch die deutlich höhere Marktdurchdringung im Breitband durch den Netzausbau. Gemessen an der Branche der Kabelnetzbetreiber sei die Aktie nicht zu günstig bewertet - allerdings sehe er deutliche Aufwärtschancen hinsichtlich der Konsolidierung in der Branche.

Von den fünf in diesem Jahr im dpa-AFX-Analyser erfassten Analysten raten drei dazu, die Aktie zu halten und einer zum Verkauf. Barclays-Analyst Patrick rät dagegen, das Papier zu kaufen. Er ist mit 2,70 Euro auch beim Kursziel der optimistischste dieser Experten.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Im Januar 2015 ging Tele Columbus - bereinigt um eine spätere Kapitalerhöhung - für 7,01 Euro je Stück an die Börse. Zuerst sah das Papier nach einem lohnenden Investment aus, der Kurs kletterte innerhalb von zwei Monaten auf das Rekordhoch von gut 11,07 Euro. Seitdem schauen Aktionäre aber vorwiegend in die Röhre. Derzeit liegt der Kurs deutlich unter 2 Euro.

United Internet musste wegen des Kursverfalls vergangenes Jahr über 200 Millionen Euro vom Wert seines Aktienpakets abschreiben. Derzeit ist Tele Columbus am Markt nur rund 212 Millionen Euro wert./men/knd/mis