STOCKHOLM (dpa-AFX) - Schweden ist zwar das Heimatland der weltbekannten Klimaaktivistin Greta Thunberg, trotzdem spielt der Klima- und Umweltschutz vor der schwedischen Parlamentswahl an diesem Sonntag nur eine untergeordnete Rolle. Deshalb hat die Bewegung Fridays for Future am Freitag bei Demonstrationen in mehreren schwedischen Städten auf die Bedeutung des Kampfes gegen die Klimakrise hingewiesen. Das Thema sei im Wahlkampf im Prinzip vollkommen ignoriert worden, sagte Thunberg der Nachrichtenagentur TT bei einem Protestmarsch in der Hauptstadt Stockholm. Dort sprach die Polizei zunächst von rund 2000 Teilnehmern.

Als junger Mensch fühle sie sich ziemlich verlassen, da sich niemand um ihre Zukunft schere, sagte Thunberg zu TT. "Aber als Wählerin, die ich dieses Jahr tatsächlich bin, fühle ich mich auch für ziemlich dumm erklärt." Natürlich gebe es unter den zur Wahl stehenden Alternativen einige, die weniger schrecklich als gewisse andere seien. Bei keiner Partei entspreche die Politik jedoch dem, was nötig sei, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

Knapp 430 000 junge Schwedinnen und Schweden dürfen in diesem Jahr erstmals bei einer Parlamentswahl abstimmen - darunter Thunberg. Die heute 19-Jährige hatte sich vor der letzten Wahl 2018 aus Protest alleine vor den schwedischen Reichstag gesetzt, um die Politiker ihres Landes zu deutlich mehr Klimaschutz aufzufordern. Daraus entstand die internationale Klimaschutzbewegung Fridays for Future.

Bei der Schweden-Wahl am Sonntag ringt die Sozialdemokratin Magdalena Andersson darum, Ministerpräsidentin zu bleiben. In TV-Debatten mit ihrem konservativen Herausforderer Ulf Kristersson spielten zuletzt vor allem die grassierende Bandenkriminalität, die stark gestiegenen Energiepreise und Sozialfragen größere Rollen. Das Klima kam kaum zur Sprache.

"Für das Klima sieht es in der nächsten Mandatsperiode düster aus", warnte die führende Tageszeitung "Dagens Nyheter" bereits. 227 schwedische Unternehmen monierten, dass die grüne Umstellung nur als notwendiges Übel empfunden werde. In einem Beitrag im "Aftonbladet" schrieben sie: "Was uns beunruhigt, ist, dass so viele von Ihnen Politikern in Schweden diese Umstellung nur als großes Problem bezeichnen, wenn sie eigentlich auch eine riesige Chance ist."/trs/DP/jha