Der Essener Stahlkonzern Thyssenkrupp prüft laut Kreisen einen Börsengang seiner Stahlsparte.

Am Montag berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg, dass der Hintergrund der zunehmende Widerstand gegen den Verkauf an den Branchenkollegen Liberty Steel sei. Dabei berief sich Bloomberg auf mit der Sache vertraute Personen. 

Folglich hatte der Aufsichtsrat das Management dazu aufgefordert, eine Alternative für den Verkauf zu suchen. Im Vorfeld hätten Gewerkschaftsvertreter und Großaktionäre Bedenken bezüglich der Veräußerungspläne geäußert.

Das sagen Analysten

Die Papiere von Thyssenkrupp erreichten zeitweilig die Spitze des MDAX der mittelgroßen Werte und stiegen um 7,04 Prozent auf 9,88 Euro. Somit war der Aktienkurs wieder auf dem Niveau von Februar 2020 angelangt. Am Montag hatte schon eine Hochstufung der Aktie von „Neutral“ auf „Outperform“ durch die französische Bank Exane BNP Paribas den Kurs angeschoben. 

Mit der Einstufung „Outperform“ gehen die Franzosen davon aus, dass sich die Aktie in den nächsten zwölf Monaten besser als der Sektor entwickeln wird. Exane BNP Paribas hatte außerdem das Kursziel von 5,60 auf 11,70 Euro mehr als verdoppelt. Auch Analyst Bastian Synagowitz von der Deutschen Bank stockte sein Kursziel von 8 auf 13 Euro bedeutend auf.

So äußert sich Thyssenkrupp

Ein Sprecher von Thyssenkrupp sagte zu den Spekulationen um den Börsengang nur, die Entwicklung der Sparte im eigenen Haus bleibe eine Möglichkeit. Liberty wollte sich dazu nicht äußern. Auch Vertreter des größten Anteilseigners, der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung, hätten sich kritisch hinsichtlich des möglichen Verkaufs geäußert, hieß es weiter. 

Demnach hinterfragen sie die Umsetzbarkeit des Angebots- und Finanzierungsmodells von Liberty Steel. Rund 21 Prozent der Aktien von ThyssenKrupp sind im Besitz der Stiftung. Darüber hinaus ist deren Vorsitzende, Ursula Gather, Mitglied des Aufsichtsrat des Konzerns.

Ein Börsengang wäre ein weiterer Richtungswechsel, nachdem das Unternehmen bereits seit Jahren auf der Suche nach einer Lösung für seine Stahlsparte ist. Diese beschäftigt etwa 27.000 Mitarbeiter und zählt zu den führenden Metalllieferanten der deutschen Autoindustrie.

Thyssenkrupp kämpft schon seit längerem ums Fortbestehen  

Die Corona-Krise hat die Situation im vergangenen Jahr allerdings noch verschlechtert. Die Lage in der Stahlbranche hat sich im Vergleich zum Vorjahr aber etwas verbessert: Die Preise sind gestiegen, da aufgrund des Lockdowns weniger Angebot vorhanden war. Die Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte war schließlich stärker gestiegen als erwartet.