STRASSBURG (dpa-AFX) - Die belarussische Oppositionelle Swetlana Tichanowskaja hat die Europäische Union zu entschlossenem und schnellem Handeln gegen Machthaber Alexander Lukaschenko aufgefordert. "Wir brauchen ein aktiveres Vorgehen Europas, wenn es um Autokratie geht", sagte die im Exil lebende Oppositionsführerin am Mittwoch in einer Rede im Straßburger EU-Parlament. Es sei mehr zu tun, als nur abzuwarten und zu reagieren. Die EU habe Lukaschenko nicht als legitimen Präsidenten anerkannt - "also haltet diesen Hochstapler nicht für das, was er nicht ist."

Tichanowskaja betonte, die Krise in Belarus sei näher, als es vielen in Europa scheine: "Unser Kampf für Freiheit ist auch euer Kampf für Freiheit." Sie forderte mehr Unterstützung für die Opposition in Belarus und begrüßte zugleich die von der EU verhängten Sanktionen. Sie bekräftigte ihre Forderung, konsequent von Kontakten mit der belarussischen Führung abzusehen.

Anfang der Woche hatte Tichanowskaja die geschäftsführende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für ihre Gespräche mit dem Minsker Machthaber Lukaschenko kritisiert. Auch wenn es in den Telefonaten mit Minsk um die humanitäre Lage der Migranten an der belarussischen Grenze gegangen sei, dürfe Lukaschenko nicht durch diplomatischen Dialog legitimiert werden, sagte die Oppositionelle.

Nach der von der EU nicht anerkannten Präsidentenwahl im August 2020 gab es Massenproteste gegen Lukaschenko, die der Machthaber niederschlagen ließ. Die EU beschuldigt Lukaschenko zudem, Migranten an die EU-Außengrenze gebracht zu haben, um Druck auf den Westen auszuüben. Die Menschen aus dem Irak, Syrien und Afghanistan sind mit Touristenvisa nach Belarus eingereist./jjk/DP/men