BERLIN (dpa-AFX) - EU-Kommissionsvize Frans Timmermans hält die vorgeschlagene Verschärfung des EU-Klimaziels für zwingend, um bis Mitte des Jahrhunderts die Klimaneutralität zu erreichen. "Wir machen das nicht von ungefähr", sagte Timmermans am Mittwoch bei einem Kongress des Industrieverbands BDI. "Wenn wir das erreichen wollen bis 2050, dann müssen wir bis 2030 mindestens 55 Prozent weniger ausstoßen." Das zeige die Folgenabschätzung, die am Donnerstag veröffentlicht werde. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte "mindestens 55 Prozent" Treibhausgas-Minderung bis 2030 im Vergleich zu 1990 vorgeschlagen. Bisher lag das Ziel bei 40 Prozent.

Timmermans betonte, er sei immer bereit zum Dialog mit der Industrie. Die konkreten Maßnahmen, mit denen das Klimaziel erreicht werden solle, kämen erst im nächsten Jahr. Einen Ausblick gab der EU-Kommissar für Klimaschutz aber schon: Im Handel mit Verschmutzungsrechten werde die Zahl der Zertifikate weiter verknappt. Man werde prüfen, diesen Handel von der Energiewirtschaft und Teilen der Industrie auf fossile Brennstoffe - also vor allem Sprit und Heizöl - auszuweiten. Der Seeverkehr solle einbezogen und der Anteil der versteigerten Luftverkehrs-Zertifikate erhöht werden.

Das werde aber nicht reichen, betonte Timmermans. Die Klima-Vorgaben für die Flotten der Autobauer würden weiter verschärft, sagte Timmermans. Bei Energieeffizienz sei in den meisten Mitgliedsstaaten noch "viel, viel zu leisten". Die Abscheidung, Nutzung und Speicherung von Kohlenstoff müssten "erprobt und in größtem Maßstab getestet und auf den Markt gebracht werden". Diese Technologien, der Atmosphäre CO2 zu entziehen, sind umstritten./ted/DP/nas