Der Hype um den US-Billigbroker scheint gebrochen: enttäuschende Quartalszahlen, Kündigungswellen, Geldstrafen. War's das schon mit der "Demokratisierung der Börse"?

Ein wahrlich schwarzer Tag für den einst so in den Himmel gelobten Smartphone-Broker: Wie Robinhood-CEO Vlad Tenev am gestrigen Dienstag auf dem Firmenblog bekannt gab, wird das Fintech seinen Personalbestand um knapp ein Viertel reduzieren. Das betreffe vor allem die Bereiche Operations, Marketing und Programmanagement. Bereits im April hatte Tenev einen neunprozentigen Stellenabbau an- und laut US-Medien daraufhin 780 Mitarbeiter gekündigt.

Massenentlassung

"Das ging nicht weit genug", schreibt Tenev jetzt in dem Blogbeitrag. Insgesamt sollen in den zwei Kündigungswellen 1.000 Jobs wegfallen. Wer seinen Job behalte und wer nicht, werde noch via E-Mail darüber informiert. Als Grund für das neue Köpferollen gab der 35-Jährige die "Verschlechterung des makroökonomischen Umfelds mit einer Inflation auf einem 40-Jahres-Hoch, begleitet von einem breiten Absturz des Kryptomarktes" an.

Robinhood hat gestern auch seine Bücher zum jüngsten Quartal veröffentlicht – einen Tag früher als eigentlich geplant. Demnach bracht der Umsatz des Brokers im Jahresvergleich um rund 44 Prozent auf magere 318 Millionen US-Dollar ein.


Die Anzahl monatlich aktiver User ging um 35 Prozent zurück. Unterm Strich blieb ein Verlust in Höhe von 295 Millionen Dollar beziehungsweise 0,34 Dollar je Aktie. Das ist zumindest eine Verbesserung verglichen mit dem Vorjahresviertel, als das Minus noch 2,16 Dollar je Aktie betrug.

Bekanntlich sind aller schlechten Dinge drei: So hat das New York State Department of Financial Services (NYDFS) ebenfalls gestern bekannt gegeben, eine Strafe in Höhe von 30 Millionen US-Dollar gegen die Kryptoabteilung von Robinhood verhängt zu haben. Die Abteilung habe es unter anderem verabsäumt, im Zuge des rasanten Wachstums auf ein entsprechendes Transaktionsüberwachungssystem umzusteigen, das mit dem heutigen Handelsvolumen mithalten kann. Außerdem soll das Anti-Geldwäsche- und Cybersicherheitsprogramm von Robinhood personell unzureichend ausgestattet gewesen sein.

Gerüchte

Gut ein Jahr nach dem mit Spannung erwarteten IPO des US-Brokers stapeln sich also die Negativschlagzeilen. Robinhood betrat im Juli 2021 zu einem Emissionspreis von 38 Dollar je Aktie das Börsenparkett, schnellte daraufhin auf bis zu 85 Dollar hoch. Heute notiert das Papier bei knapp über neun US-Dollar. Die Gerüchteküche brodelt: Viele Beobachter rechnen mit der Übernahme des Discounters durch einen Konkurrenten.

(tl) für die wallstreet:online Zentralredaktion


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