BERLIN (dpa-AFX) - Die Städte müssen Radfahrern und Fußgängern aus Sicht des Umweltbundesamts mehr Platz auf der Straße verschaffen, um im Kampf gegen Klimakrise und Luftverschmutzung voranzukommen. Dabei könne die Corona-Krise als "Gelegenheitsfenster" genutzt werden, erklärte die Behörde auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Laufen oder Radfahren sei gesund, im Vergleich zu Autos leise und erzeuge weder klimaschädliche Treibhausgase noch Luftschadstoffe, hieß es zur Begründung.

Auch befürwortet das Umweltbundesamt, Parkgebühren und Anwohnerparkausweise zu verteuern, um den Umstieg vom Auto auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel zu fördern. "Während man in Kopenhagen über 200 Euro und in Amsterdam über 500 Euro pro Jahr für das Bewohnerparken zahlt, liegen die Gebühren in Deutschland derzeit weit darunter", hieß es. In der Millionenmetropole Berlin etwa zahle man pro Jahr nur zehn Euro, vielerorts sei Parken sogar noch kostenfrei.

Im Frühjahr und Sommer haben einige Städte, darunter Berlin, sogenannte Pop-up-Radwege und temporäre Spielstraßen eingerichtet, um die Corona-Abstandsregeln und Verkehrssicherheit zu garantieren. Dies begrüßte das Umweltbundesamt. "Pop-up-Fußgängerzonen wären ebenfalls wünschenswert", hieß es.

Das Auto beansprucht den größten Teil des Straßenraums. Laut Umweltbundesamt ist der Bestand an Kraftfahrzeugen hierzulande zwischen 2009 und 2019 um 16 Prozent gestiegen. In Groß- und Mittelstädten, also in Städten mit mindestens 15 000 Einwohnern, leben knapp 80 Prozent der Menschen in Deutschland.

Die Behörde wies darauf hin, dass 40 bis 50 Prozent der innerstädtischen Autofahrten kürzer sind als fünf Kilometer. "Sie liegen damit in einem Entfernungsbereich, in dem das Fahrrad sogar häufig das schnellste Verkehrsmittel ist." Doch um mehr Menschen zum Radfahren zu bewegen, müsse es sicherer und einfacher werden.

Anfang des Monats hatte auch der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Helmut Dedy, gefordert, dem Auto auch öffentliche Räume "zu entreißen". Er sagte der dpa: "Unsere Städte sind keine Parkplätze, Städte sind Orte zum Leben."/toz/DP/zb