BERLIN (dpa-AFX) - Der Chef des UN-Entwicklungsprogramms, Achim Steiner, warnt davor, die Klimakrise und fortschreitende Erderhitzung zu unterschätzen. "Die Corona-Pandemie zeigt uns, was passiert, wenn wir die Kontrolle verlieren", sagte er dem "Handelsblatt" (Dienstag). Um den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase zu verringern, müsse jetzt schneller in die Märkte von morgen investiert werden, anstatt alte Strukturen zu zementieren. Es sei aber ein Warnsignal, dass aktuell nur ein Bruchteil in nachhaltigere Infrastruktur und Zukunftstechnologie investiert werde.

Steiner beobachtet dabei einen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung, auch wegen der Corona-Krise. "Die Pandemie bringt Menschen dazu, mehr darüber nachzudenken, in was für einer Welt sie künftig leben wollen." In Deutschland sei die soziale Marktwirtschaft über Jahre das Leitbild gewesen. Nun werde es zunehmend eine ökologisch-soziale Marktwirtschaft. Steiner forderte zudem, sich nicht länger auf das Bruttoinlandsprodukt zu fokussieren, sondern beispielsweise Bildung, Gesundheit und die Umwelt stärker zu gewichten. "Eine Weltwirtschaft, die ihre Zukunft nur über ihr Wirtschaftswachstum definiert, wird uns an den Abgrund führen."

Schon jetzt hat sich die Erde um rund 1,2 Grad erwärmt im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Die vergangenen sechs Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Die fatalen Folgen der Erderhitzung sind je nach Region mehr verheerende Unwetter, Stürme, Überschwemmungen sowie Dürren und Hitzewellen./toz/DP/zb