BERLIN (dpa-AFX) - In der Unionsfraktionsspitze gibt es zurückhaltende Zustimmung zum Vorschlag von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU), weitere 1500 Migranten von den griechischen Inseln in Deutschland aufzunehmen. "Die Aufnahme von rund 400 Familien, die sich derzeit noch auf den griechischen Inseln befinden und in einem regulären Asylverfahren als schutzbedürftig anerkannt wurden, ist ein vertretbarer Vorschlag", sagte der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Thorsten Frei (CDU) der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Der Vorschlag basiere auf klaren Kriterien, die den Effekt eines weiteren Anziehens von Migranten - den sogenannten Pull-Effekt - eindämmten, sagte Frei. Mit Blick auf den Koalitionspartner von der SPD blieb er hart: "Die unterschiedslose Aufnahme von Migranten aus Moria, wie die SPD sie fordert, lehnen wir ab." Deutschland könne das europäische Migrationsproblem nicht alleine lösen. "Der SPD-Vorschlag würde alle Bemühungen um ein gemeinsames europäisches Asylsystem zunichte machen und schon mittelfristig für ein neues Moria sorgen."

Die Diskussion über die Aufnahme weiterer Migranten nach dem verheerenden Brand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos dürfte am Nachmittag (17.00 Uhr) auch eine wichtige Rolle bei der Sitzung der Unionsfraktion spielen. Aus der Unionsfraktion hieß es, unter dem Strich werde zwar mit Zustimmung zum Vorschlag von Merkel und Seehofer gerechnet - aber es werde sicherlich auch kontroverse Diskussionen geben.

Für Verärgerung in der Union hatte die SPD-Vorsitzende Saskia Esken gesorgt. Sie hatte ihre Forderung nach einer Koalitionsentscheidung zur zusätzlichen Aufnahme einer hohen vierstelligen Zahl von Flüchtlingen zunächst mit einem zeitlichen Ultimatum verbunden. Am Montag forderte die SPD-Spitze dann eine Koalitionsverständigung auf eine größere Zahl von aufzunehmenden Migranten binnen 48 Stunden.

Auch Merkel hatte am Montag von einer Paketlösung gesprochen und deutsche Unterstützung für den Aufbau eines neuen EU-Aufnahmezentrums für Migranten auf Lesbos zugesagt. "Es hat überhaupt keinen Sinn, jetzt nur über eine Zahl zu sprechen", sagte sie in Berlin. Jeder wisse, dass die europäische Aufgabe der Migrationspolitik nicht allein von Deutschland gelöst werden könne./bk/DP/men