Volker Schilling, Vorstand der Greiff Capital Management AG, blickt in die Post-Corona Zeit und definiert zwei Branchen, die von der Sehnsucht der Menschen nach Normalität profitieren könnten.

Laut Schilling sei davon auszugehen, dass es in den kommenden zwei, drei Jahren eine "massive Ausgabewelle für diskretionäre Dienstleistungen" in Freizeit, Reisen und Unterhaltung geben wird. So sehnten sich nach der Pandemie die Verbraucher nach einem Besuch in Restaurants, Bars, Biergärten, Freizeitparks, Konzerten oder nach Reisen in andere Länder: "Mit der schrittweisen Wiedereröffnung der eingeschränkten Aktivitäten werden die Menschen dies in Scharen tun. Gemäß einer Analyse von Empirical Research Partners beläuft sich allein in den USA die aufgestaute Nachfrage nach diesen Dienstleistungen durch den COVID-bedingten Konsumverzicht auf über 600 Milliarden US-Dollar."

Allein die vier Billionen US-Dollar an Ersparnissen, die die US-Haushalte während der COVID-Krise angesammelt hätten, entsprächen über 25 Prozent der gesamten Verbraucherausgaben im Jahr 2019, skizziert Schilling. Da die Verbraucherausgaben bereits deutlich über dem Vor-Covid-Niveau lägen, würden diese vier Billionen Dollar einen starken Rückhalt bieten, der die Verbraucherausgaben über die kommenden Jahre stütze. So hätten die Einzelhandelsumsätze in den USA und Europa nicht nur ihren verlorenen Boden zurückerobert, sondern sogar neue Höchststände erreicht.

"Das kleine Glück"

Die Kosmetikbranche profitiere laut Schilling im Besonderen: "Kosmetik, das kleine Glück, ist nicht nur einer der großen Profiteure von Nachholeffekten, sondern ein wichtiger Faktor für die Wiedereröffnung des Unterhaltungs- und Nachtlebens, für Selbstwertgefühl und Dating-Möglichkeiten."

Hiervon profitiere auch der US-Beauty-Retailer Ulta Beauty, der den Umsatz im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um über 60 Prozent steigern konnte – aber auch verglichen mit dem Niveau 2019 vor der Pandemie betrug das Umsatzwachstum 13 Prozent, erklärt Schilling. Die Prognosen für das Gesamtjahr würden sowohl bezüglich Umsatz wie operativer Marge deutlich angehoben.

Neue Börsenhochs jenseits der 450 US-Dollar

Ulta befinde sich laut Schilling in einer Transformation. Während der Pandemie habe man das Online-Geschäft vorangetrieben und Marktanteile hinzugewonnen. Der Kunde könne nun Kosmetik-Produkte online bestellen und selbst abholen, sich nach Hause schicken lassen oder aber beim nächsten Friseur- und Schminktermin vor Ort beziehen. Die Qualität des Geschäftsmodells zeige sich auch in der für ein Einzelhandelsunternehmen sehr hohen Bruttogewinnmarge von 38 Prozent oder der Rendite auf das eingesetzten Kapital von 42 Prozent: "Aktienrückkaufprogramme und ein laufendes Rekordjahr sollten die Aktie weiter antreiben und dass hierzulande wenig bekannte Unternehmen auf neue Börsenhochs jenseits der 450 US-Dollar schieben", glaubt Schilling.

Dating fürs Depot

Ein weiteres spannendes Unternehmen sei laut Schilling die Match Group, welche nicht nur von der Wiedereröffnung der Weltwirtschaft, sondern primär von strukturellen Wachstumstreibern profitiere: "Das Online-Dating hat die Verkupplung durch Freunde abgelöst. 30 Prozent der Amerikaner haben schon eine Online-Partnervermittlung verwendet, bei jungen Menschen sind es über 50 Prozent. Die künftigen Wachstumschancen liegen auch in Südostasien und Indien, wo die Marktdurchdringung noch tief ist. Aufgrund der Tatsache, dass Dating-Apps nur wenig Kapital benötigen, generiert Match Group hohe Renditen auf das eingesetzte Kapital, hohe Gewinnmargen und generiert signifikante freie Cashflows, obwohl das Unternehmen massiv in das eigene Geschäft reinvestiert."

Diese freien Cashflows dürften sich laut Schilling nicht nur durch solide operative Entwicklung verbessern, sondern auch aufgrund regulatorischer Änderungen. Die Match Group habe hohe Ausgaben in Form einer 30-prozentigen App-Store-"Steuer", die Apple für Käufe in den Match-Apps, zu denen Tinder, Hinge und OkCupid gehören, erhebe: "Diese Gebühren belaufen sich jährlich auf 500 Millionen Dollar. In Südkorea und jetzt auch in den USA untersuchen die Wettbewerbsbehörden diese Praktiken von Google und Apple. Es darf damit gerechnet werden, dass die überhöhten Provisionssätze gesenkt werden."

Für Match würden diese regulatorischen Änderungen einer großen "Steuersenkung" gleichkommen und das Geschäftsmodell noch attraktiver machen, glaubt der Experte.

Die Aufnahme der Match Group in den S&P500 unterstreiche das weitere Wachstumspotential und erhöhe vor allem die Aufmerksamkeit bei Investoren. "Daten Sie doch die Aktie auch mal in Ihrem Depot", empfiehlt Schilling.

Autorin: Gina Moesing, wallstreet:online Zentralredaktion

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