Nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in Ohio zum Diesel-Skandal rutscht die Volkswagen-Aktie deutlich ab und wird damit am Mittwoch zum Schlusslicht des DAX. Beschlossen wurde genauer, dass dieser Staat Sanktionen gegen den Autohersteller wegen systemischer Abgasmanipulation verhängen kann, die über die bereits genehmigten Sanktionen der US-Regierung hinausgehen. Damit drohen dem Wolfsburger nochmals milliardenschwere Bußgelder.

Volkswagen: Die Zitterpartie geht weiter

Erst kürzlich stand die Volkswagen-Aktie noch aus einem anderen Grund unter Druck. Die Verkaufsdaten der neuen Elektromodelle ID.4 in China, dem wichtigsten Markt für VW, sind nicht besonders gut ausgefallen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters hat der Konzern im Mai nur 1.213 dieser Modelle verkauft. Insgesamt rechnete er für dieses Jahr mit einem Absatz von 50.000 bis 60.000 Elektroautos in China. 

Nachdem sich die Aktie davon wieder einigermaßen erholt hatte, folgt nun der nächste Rückschlag in Form der US-Gerichtsentscheidung zum Diesel-Skandal. Dem Wolfsburger drohen nun enorme zusätzliche Kosten. Michael Donnelly, der einzige Richter, der sich gegen das Urteil ausgesprochen hatte, beziffert die Rechtskosten auf „mehr als eine Billion Dollar“. Bis heute hat das Unternehmen für das Diesel-Desaster mehr als 32 Milliarden Euro ausgegeben oder reserviert. Nachdem VW im September 2015 zugegeben hatte, mit einer speziellen Software jahrelang den Abgaswert von Dieselfahrzeugen zu manipulieren, sind die meisten Kosten seither in den USA angefallen. 

VW will vor das Oberste US-Gericht

Volkswagen bemüht sich um eine ergänzende grundsätzliche Klarstellungen. Auf Nachfrage wollten sie den Fall in Ohio vor den Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten bringen. Die Organisation ist der Ansicht, dass die Ansprüche einzelner Staaten durch Bußgelder und Entschädigungen bereits ausgeglichen sind. Zudem argumentiert VW, dass einige andere US-Gerichte den Fall bereits ähnlich bewertet hätten. Kalifornien zum Beispiel habe einem Vergleich zugestimmt. Aber selbst wenn die Entscheidung letztendlich dem Autobauer zugute kommt, könnte das Unternehmen noch einige Zeit leiden. Denn Verfahren auf höchster Ebene können andauern.

Doch das ist noch nicht alles. Der frühere Volkswagen-Chef Martin Winterkorn, gegen den in den USA ein Haftbefehl erlassen wurde, muss Mitte September wegen vorgeworfenen Betrugs vor das Landgericht Braunschweig. Dabei geht es um Rechtsstreitigkeiten in Florida und Utah, die auch für das Land entscheidend sein können. Die Richter sagten, sie wüssten, dass ihre Entscheidung eine „atemberaubenden Belastungen“ für den niedersächsischen Autohersteller bedeuten könnte. Allein nach dem regionalen Bußgeldkatalog können die jährlichen Bußgelder bis zu 11,2 Milliarden US-Dollar betragen.

VW-Aktie lässt die Anleger zittern

Nachdem die Volkswagen-Aktie am Mittwochvormittag zeitweise deutlich eingebrochen ist, hat sich das Papier kurz vor Börsenschluss in Frankfurt wieder ein Stück weit erholt. Dennoch notiert der Titel mit einem Minus von 2,33% bei 211,60 Euro. Damit erreicht der Aktienkurs den niedrigsten Stand seit Mitte Mai und die Aktie findet sich am unteren Ende des DAX wieder. 

/sf