Nach dem Wochenende gibt es eine Reihe spannender Nachrichten zu Volkswagen. So ist es nun offiziell, dass sich der Konzern von seiner Mehrheit an Bugatti trennt. Außerdem glänzen sowohl Volkswagen als auch Audi mit ihren jüngsten Quartalszahlen und obendrein liefert der weltweit führende Autobauer noch eine neue Strategie für autonomes Fahren. Trotz alledem befindet sich die  VW-Aktie am Montagabend im roten Bereich. 

Volkswagen-Konzern trennt sich von Bugatti-Mehrheit

Bye Bye, Bugatti. Nun ist es offiziell: Volkswagen trennt sich von seiner Mehrheit am Luxuswagen-Hersteller. In Zukunft wird also nur noch die VW-Tochter Porsche einen Restanteil von 45 Prozent am Franzosen halten. Der Hauptanteil geht somit an den kroatischen Konzern Rimac, wie Porsche und Rimac am Montag in Dubrovnik verkündeten. Damit liegt auch die operative Führung künftig beim Automobil-Hersteller mit Sitz in Sveta Nedelja bei Zagreb. Zu den finanziellen Konditionen gibt es bisher noch keine näheren Angaben. Die Trennung von Bugatti sollte aus betriebswissenschaftlicher Perspektive keine großen Folgen für VW haben. In Zukunft gibt es jetzt jedoch nur noch 11 statt 12 Volkswagen-Fahrzeugmarken. 

Volkswagen glänzt mit Quartalsabsatz

Nach dem Corona-bedingten Abschwung erholen sich aktuell die Autoverkäufe in den USA wieder. Davon profitieren  kann auch der Volkswagen-Konzern. Eigenen Angaben zufolge wurden im zweiten Quartal 120.520 neue Fahrzeuge von VW in den Staaten verkauft. Dies entspricht einer Steigerung von 72 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, als die  Fabriken und Autohäuser aufgrund des Lockdowns vorübergehend ihre Schotten dicht machen mussten.

Volkswagen spricht nun von seinem besten Quartalsabsatz seit 1973. Bei den hochpreisigen City-Geländewagen kann der Wolfsburger Industrieriese die Auslieferungen sogar mehr als verdoppeln. Der SUV-Absatz macht mittlerweile fast 75 Prozent aller in den USA verkauften Volkswagen-Fahrzeuge aus. Seit vielen Jahren konzentrieren sich die Hersteller auf schwerere und größere Modelle, die vor allem bei US-amerikanischen Kunden beliebt sind.

Volkswagen-Marke mit neuem Konzept für autonomes Fahren

Neben den erfreulichen Quartalszahlen gibt es am Montag weitere Neuigkeiten des größten Automobilhersteller Europas. Die Entwicklung von VW-Fahrzeugen soll grundlegend verändert werden, wofür neue Managementstrukturen geschaffen werden sollen. 

In einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung teilt Ralf Brandstätter, CEO der Marke Volkswagen, mit, dass VW sich künftig an den Kunden und ihren Bedürfnissen und Wünschen orientieren werde. Künftig wird dieser Prozess von einem Chief Experience Officer (CXO) gesteuert. Die neue Position, die Vertrieb und Entwicklung bündelt, sei eine Antwort auf die Entwicklung des computergesteuerten Fahrens, die in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts möglich sein werde, so der Manager.

„Zukünftig können wir alle Fahrzeuge mit Software und Hardware ausrüsten, die es zum autonomen Fahren der Stufe vier benötigt“, verkündet Brandstätter gegenüber der Zeitung. So navigiert der Computer beispielsweise auf der Autobahn völlig selbstständig, der Mensch muss nur in wenigen Sondersituationen eingreifen. Das stellt ganz andere Anforderungen an das Interieur und seine Bedienbarkeit.

Laut Brandstätter liegen die Hardwarekosten für diese Roboterfunktionen derzeit bei etwa 7.000 bis 9.000 Euro pro Fahrzeug. Er erwartet jedoch, dass diese Kosten bis zum Ende dieses Jahrzehnts um 30 Prozent sinken werden. Nach der Philosophie der Kernmarke des Volkswagen-Konzerns sollen die Preise nicht sofort an die Kunden weitergegeben werden. Es soll die Möglichkeit geben, einige der Funktionen buchen zu können. 

Brandstätter schätzt, dass für eine Stunde Fahrt durch den Computer von Volkswagen circa 7 Euro fällig werden. Dies wird auch den Charakter des Geschäfts grundlegend verändern. Er ist der Meinung, „dass sich die Erträge in der Industrie ab 2030 auf ein Drittel Verbrennerfahrzeuge, ein Drittel Elektrofahrzeuge und ein Drittel neue softwarebasierte Geschäftsmodelle verteilen“.

Audi mit beeindruckenden Quartalsergebnissen: Nun sollen höhere Profitabilitätsziele gesetzt werden 

Auch die Volkswagen-Tochter kann mit guten Ergebnisse glänzen. Der Absatz von Audi in den USA stieg in den drei Monaten bis Juni um 92 Prozent auf 66.995 Fahrzeuge. Laut einem Magazinbericht glaubt Audi-Chef Markus Duesmann, dass Elektroautos in zwei bis drei Jahren die gleiche Rentabilität wie benzinbetriebene Autos erzielen werden. Wie das Nachrichtenmagazin Der Spiegel erfahren hat, soll Duesmann deshalb schon strengere Gewinnziele gesetzt haben.  Es wird angenommen, dass die Umsatzrendite bis 2025 von 5,5 Prozent auf über 11 Prozent steigen wird.

Gleichzeitig sollen auch die Stückzahlen zunehmen. Der Spiegel schrieb, dass der Autoabsatz von Audi in diesem Jahr erstmals die 2-Millionen-Marke überschreiten wird. Ziel des Vorstands ist es daher, bis 2030 das Ziel von 3 Millionen Fahrzeugen pro Jahr zu erreichen. Auch der Gewinn von Audi soll in diesem Jahr den jeder anderen Marke des Konzerns übertreffen. Eine AUDI-Sprecherin wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

Volkswagen‑Aktie im Seitwärtstrend

Die VW-Aktie bleibt von diesen guten Nachrichten am Montag unbeeindruckt. Der Grund dafür ist klar: Erst kürzlich entschied der Oberste Gerichtshof von Ohio, dass der Staat Sanktionen gegen den Autohersteller wegen systemischer Abgasmanipulation verhängen kann, die über die Sanktionen hinausgehen, denen die US-Bundesregierung zugestimmt hat. Demnach können dem Wolfsburg erneut Bußgelder in Milliardenhöhe drohen. Entsprechend unter Druck sind aktuell noch immer die Papiere des Autobauers. 

Zu Handelsschluss am Montag in Frankfurt notiert die VW-Aktie mit einem Minus von 0,31 Prozent bei 211,45 Euro. 

/sf