DUISBURG/KÖLN (dpa-AFX) - Rund 60 Jahre nach Abschluss des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens rücken Leben und Leistung der sogenannten Gastarbeiter in den Fokus. Die Bundesrepublik hatte seit 1955 Verträge mit mehreren Ländern wie Italien, Griechenland oder Jugoslawien geschlossen, am 30. Oktober 1961 mit der Türkei. Im "Wirtschaftswunderland" fehlten Arbeitskräfte, viele "Gastarbeiter" waren unter Tage, in Industrie und Fabriken eingesetzt. Die Arbeits- und Lebensbedingungen waren extrem schwierig.

Die Arbeiter der ersten Jahre hatten wenig Kontakte zu Deutschen, wollten nicht auffallen, nahmen alles hin, wie der Leiter des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung, Haci Halil Uslucan, der Deutschen Presse-Agentur sagte. "Zentrales Motiv war ja, in kurzer Zeit viel Geld zu verdienen, um dann schnell zurückzukehren." Etwa drei Viertel waren Männer, ein Viertel Frauen. Viele wurden sesshaft.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte bei einem Besuch im Ruhrgebiet vor einer Woche die Leistung der Zugewanderten gewürdigt. Deutschland sei durch Migration vielfältiger geworden. Heute leben in Deutschland etwa 2,8 Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln. Die Nachkommen der "Gastarbeiter" sind selbstbewusster geworden, wie Uslucan betonte. Vielfach erlebte Diskriminierung werde nicht mehr hingenommen./wa/DP/zb