Anleger umtreibt die Frage, ob der US-Aktienmarkt nach dem Rebound im Juli die Talsohle erreicht hat. Das sagen die Analysten der Wall Street.

Zum einen beflügelten die allgemein gut ausgefallenen Gewinne der Unternehmen im zweiten Quartal die großen Indizes. Zum anderen würden die Anleger darauf spekulieren, dass die Fed langsamer bei den Zinserhöhungen macht, so CNCB. Der Dow Jones Industrial Average stieg im vergangenen Monat um 6,7, der S&P 500 um 9,1 und der technologielastige Nasdaq Composite um 12,4 Prozent. Anleger fragen sich, ob der Bärenmarkt seine Talsohle erreicht hat.

Die Meinungen der Bären

"Wir sehen die jüngste Rallye eher als Bärenmarkt-Pullback denn als Wendepunkt für die Märkte. Fundamental hat sich das Bild nicht geändert. Es besteht nach wie vor ein hohes Maß an Unsicherheit darüber, wie weit die Inflation in diesem Jahr sinken und wie die US-Notenbank auf eine Abschwächung der Lohndaten reagieren wird, falls die Inflation anhält", so Solita Marcelli, CIO bei UBS Global Wealth Management, im Investment Strategy Guide der Bank. "Bis zur nächsten Sitzung der US-Notenbank stehen uns zwei Monate mit Daten zur Inflation und zu den Löhnen zur Verfügung, und in dieser Zeit kann sich viel ändern", so die Strategin weiter.

Ähnlich sieht es die Leiterin der Abteilung für Aktien und quantitative Strategien bei der Bank of America Securities, Savita Subramanian. Sie sagte, es sei verfrüht, einen Tiefpunkt auszurufen, während die Gewinnschätzungen pro Aktie ebenfalls zu hoch bleiben.

 "Während der letzten fünf Rezessionen erreichte der S&P 500 die Talsohle, nachdem die Schätzungen nach unten revidiert wurden, mit Ausnahme des Jahres 1990, als die voraussichtlichen Gewinne pro Aktie unverändert blieben, als der Markt die Talsohle erreichte. Aber heute fangen die Schätzungskürzungen gerade erst an, und der voraussichtliche Gewinn pro Aktie ist seit dem Höchststand des Marktes immer noch um sieben Prozent gestiegen", so Subramanian.

"Außerdem endeten Bärenmärkte immer nach der Fed-Senkung, die wahrscheinlich noch mindestens sechs Monate entfernt ist", fügte sie hinzu.

Barclays-Stratege Emmanuel Cau kommt in seiner Mitteilung ebenfalls zu einem ähnlichen Schluss: "Die Märkte erholen sich in der Hoffnung, dass die Fed eine harte Landung verhindern kann und blenden das Risiko aus, dass sich der Abschwung beschleunigt und die Fundamentaldaten der Unternehmen weiter belastet. Die Ergebnisse des zweiten Quartals sind nicht so katastrophal, wie von einigen vorhergesagt, aber die gemischten Prognosen bieten wenig Trost. Diese Rallye erscheint uns beunruhigend, wir würden sie verblassen lassen."

Das in Großbritannien agierende Finanzunternehmen machte zudem auf die Besonderheit aufmerksam, dass Risikoanlagen wie Aktien nach Fed-Sitzungen – seit März – stiegen und danach abverkauft wurden.

Der Bulle unter den Bären

Der volatile Bärenmarkt, der die Aktienmärkte in den vergangenen Monaten erschüttert hat, sei vorbei, zitiert CNBC Tom Lee von Fundstrat Global Advisors. Lee gehe bis zum Jahresende von neuen Höchstständen aus. Der S&P 500 könnte wieder die Marke von 4.800 Punkten knacken.

Den nächsten großen Impuls für die Aktienmärkte könnte es im September geben, wenn die Fed den Kurs des Leitzinses bestimmt. Zudem blicken die Analysten weiterhin gespannt auf die Quartalsberichte der US-Unternehmen. In dieser angebrochenen Handelswoche allein geben laut CNBC 148 S&P-500-Unternehmen ihre Gewinne und Umsätze bekannt.

Autor: Nicolas Ebert, wallstreet:online Zentralredaktion


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