Wann stürzen die Börsen wieder ab? Lesen Sie dazu unten die klare Meinung von Bernd Fouquet, erfahrener Börsianer und Leser des Newsletters der wallstreet:online-Zentralredaktion.

Wir hatten unsere Newsletter-Leser gefragt: „Was meinen Sie? Kommen da jetzt noch große Börsencrashs oder gibt es mal hier und da unangenehmere Rücksetzerchen in bestimmten Bereichen?“ Anlass war die Diskussion um die „Mini-Manien“-These von Ben Carlson, Direktor des Institutional Asset Management bei Ritholtz Wealth Management.

 

 

Unser Leser Bernd Fouquet antwortete umgehend:

„Bezüglich Ihres heutigen Artikels bei w:o kann ich mir eine Antwort nicht verkneifen... Ich bin nun seit über 25 Jahren durchaus erfolgreich als privater Investor an den internationalen Finanzmärkten aktiv und habe in der Zeit schon etliche Crashs an den Weltbörsen erlebt.

Dabei ist mir Eines aufgefallen: Immer wenn die Leute anfangen, darüber nachzudenken, ob Crashs 'in der heutigen Zeit' überhaupt noch möglich sind (und natürlich viele gute Gründe dafür anführen), wird's gefährlich. Das ist dann die Zeit, in der ich mir vorsorglich schon mal ein paar passende Puts anschaue, um schnell handeln zu können, wenn's dann wieder mal kracht.

Die Finanzmärkte sind chaotische, selbstorganisierende Systeme und die dort Handelnden keine Rechenmaschinen, die man nur mit möglichst guten Informationen füttern muss, damit sie alle rational handeln, sondern Menschen aus Fleisch und Blut mit aller Irrationalität, die das Menschsein so mit sich bringt.

Chaotische selbstorganisierende Systeme neigen seit jeher dazu, lange im Gleichgewicht zu bleiben und dann plötzlich und unvorhergesehen zu kippen und Menschen neigen dazu, bei manchen Gelegenheiten alle Vernunft fahren zu lassen und sich von irrationalen Impulsen leiten zu lassen (Ich nehme mich selbst hier durchaus nicht aus, obwohl ich mein Bestes tue, um Irrationalitäten bei mir zu erkennen und zu vermeiden mich durch sie in meinem Handeln beeinflussen zu lassen.).

Da sich diese beiden Dinge nicht abstellen lassen, werden uns wohl auch Börsencrashs weiterhin begleiten, was nicht unbedingt was Schlechtes ist, weil hierbei der Verlust des Einen das Schnäppchen des Anderen ist. Der letzte große Crash liegt auch gerade mal anderthalb Jahre zurück - börsenhistorisch gesehen eine kurze Zeit - und der nächste wird mit Sicherheit kommen, so sicher wie das Glockengebimmel an der Wall Street am Nachmittag. Wann das sein wird? Wenn ich das hinreichend genau wüsste, könnte mir dieser Crash gar nicht früh genug kommen, weil er mich richtig reich machen würde.

In diesem Sinne wünsche ich uns, dass wir noch viele Börsencrashs erleben, sprich noch viele Jahre auf diesem Planeten und im Börsengeschehen mit dabei sind.

Mit freundlichem Gruß, Bernd Fouquet“

Text: Bernd Fouquet und Christoph Morisse, wallstreet:online Zentralredaktion

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