Der prominente Tech-Investor Frank Thelen hält nicht viel vom Wasserstoff-Hype und ist dementsprechend nicht investiert. Die Wasserstoff-Technologie sei zu verlustreich und mache nur in ganz bestimmten Bereichen Sinn.

Frank Thelen ist nicht in Wasserstoff-Start-ups investiert. Dies erklärte der Gründer der Wagniskapitalfirma Freigeist im Interview mit der WirtschaftsWoche. Sein Research-Team sei zum Schluss gekommen, dass Wasserstoff „nicht die von den Medien und Politik erhoffte Technologie-Revolution sein wird.“

Zu Wasserstoff-Autos hat Thelen eine ähnliche Meinung wie Volkswagen-Chef Herbert Diess: „Das ergibt einfach keinen Sinn. Und das gilt selbst für den Einsatz von Wasserstoff im Lkw“, so der Tech-Investor. Da bei der Umwandlung von Strom in Wasserstoff sehr viel Energie verloren gehe, seien batterieelektrische Fahrzeuge deutlich sinnvoller.

Tatsächlich ist der Wirkungsgrad von Brennstoffzellen-Pkw gering: Nur 27 Prozent der Primärenergie wird zur Fortbewegung des Wasserstoff-Autos genutzt. Auf dem Weg von der Energiequelle bis zum Rad (Well-to-Wheel) gehen damit 73 Prozent der Energie verloren. Zum Vergleich: Beim batterieelektrischen Auto gehen nur 36 Prozent der Energie verloren, so das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU).

Wegen der hohen Energiedichte von grünem Wasserstoff werden Langstreckenfahrten mit dem Auto (1.000 Kilometer und mehr) oftmals als ein Anwendungsgebiet gesehen. Doch im Gespräch mit wallstreet:online zeigte sich Thelen skeptisch: „Wasserstoff eignet sich allenfalls als Brückentechnologie für Langstreckenfahrten, langfristig werden auch hier zunehmende Batterieleistung und Ladegeschwindigkeit das E-Auto zur besseren Alternative machen“.

Thelen ist zudem überzeugt, dass „neue Mobilitätskonzepte wie Hyperloop und Urban Air Mobility (auch rein elektrisch) eine Alternative zu Langstreckenfahrten bieten werden.“ Wasserstoff mache laut Thelen lediglich bei großen Schiffen und Langstreckenflugzeugen Sinn. Hier sei die Energiedichte wichtiger als der Wirkungsgrad.

Bei der Zwischenspeicherung von Strom aus erneuerbaren Energien sieht Thelen für Wasserstoff wegen dessen schlechten Wirkungsgrad ebenfalls kaum Anwendungsgebiete. Neben Batterien könnten Thermalspeicher eine Lösung bieten: „Beim Umwandeln von Elektrizität in Hitze verliert man lediglich zwei Prozent der Energie. Wir sind jetzt dabei, mithilfe spezieller Turbinen die Hitze mit einer Effizienz von 65 bis zu 70 Prozent zurück zu Strom zu verwandeln“, so Thelen gegenüber der WirtschaftsWoche.

Thelens Venture-Capital-Fonds hatte bereits 2018 in das thermische Energiespeicher-Start-up Kraftblock investiert. Das Saarbrücker Start-up hat einen Hochtemperaturspeicher entwickelt, der industrielle Abwärme sowie überflüssigen Strom in Form von Wärmeenergie speichern kann. Dazu wird im Kraftblock-Speicher ein spezielles Granulat auf 1.300 Grad erhitzt. Bis zu zwei Wochen kann die Energie dann ohne große Verluste gespeichert werden. Die Wärme könnte anschließend beispielsweise in das Fernwärmenetz eingespeist oder mittels Dampfturbinen in Strom umgewandelt werden.

Der Börsen-Hype rund um Wasserstoff-Aktien hatte zuletzt deutlich nachgelassen. Der breitgestreute Wasserstoff-Investmentfonds 'GG Wasserstoff' (ISIN: DE000A2QDR59) verlor beispielweise seit seinem Hoch im Januar mehr als 16 Prozent:

Autor: Ferdinand Hammer, wallstreet:online Zentralredaktion

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