FRANKFURT (dpa-AFX) - Gestützt von überraschend positiven Stimmungsdaten aus der Wirtschaft hat der deutsche Aktienmarkt am Dienstag Boden gutgemacht. Der Dax sprang über die Marke von 12 500 Punkten und notierte zeitweise sogar über 12 600 Zählern. Letztlich gewann der deutsche Leitindex 2,13 Prozent auf 12 523,76 Punkte. Der MDax stieg um 0,75 Prozent auf 26 168,83 Zähler.

Laut dem Forschungsinstitut IHS Markit erholte sich die Unternehmensstimmung (PMI) im Juni in Europa kräftig von ihrem Einbruch in der Corona-Krise. Der Optimismus unter den Einkaufsmanagern war deutlich ausgeprägter als Analysten erwartet hatten. Die PMI-Daten seien ermutigend, sagte Marktanalyst Craig Erlam vom Währungsbroker Oanda und hob insbesondere die Rückkehr zu einem Wachstumssignal in Frankreich hervor.

Der EuroStoxx 50 endete 1,76 Prozent höher bei 3298,83 Punkten. Der Cac 40 in Paris rückte um rund 1,4 Prozent vor, der FTSE 100 in London kletterte um rund 1,2 Prozent nach oben. Der Dow Jones Industrial stand zum europäischen Handelsschluss rund 0,8 Prozent im Plus.

Unter den Einzelwerten blieben die von einem milliardenschweren Bilanzskandal erschütterten Wirecard-Aktien im Anlegerfokus. Am Dienstag wurde bekannt, dass der unter Verdacht geratene Ex-Vorstandschef Markus Braun nach einer Nacht im Gefängnis gegen eine Kautionszahlung von fünf Millionen Euro auf freien Fuß kommt. Nach dem rund 85-prozentigen Kursabsturz seit Donnerstag ging es für die Papiere des Zahlungsabwicklers am Dienstag erstmals wieder aufwärts. Sie schlossen als Dax-Spitzenreiter knapp 19 Prozent höher bei 17,16 Euro. Vergangenen Mittwoch hatten sie allerdings noch mehr als 100 Euro gekostet.

Die Anteilsscheine von Bayer setzten sich mit plus 5,8 Prozent an die zweite Stelle im Dax. Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf Kreise der Verhandlungspartner und des Unternehmens berichtet, steht der Pharma- und Agrochemiekonzern unmittelbar vor einem milliardenschweren Vergleich mit den Gyphosat-Klägern in den Vereinigten Staaten. Die Höhe des Vergleichs soll bei 8 bis 10 Milliarden US-Dollar liegen.

In der zweiten Reihe gehörten die Anteilsscheine des auf Arztpraxen und Apotheken spezialisierten Softwareanbieter Compugroup zu den Schlusslichtern im MDax mit einem Minus von 4,0 Prozent. Das Unternehmen besorgte sich zur Finanzierung weiteren Wachstums frisches Geld am Aktienmarkt.

Für die Aktien der Lufthansa ging als schwächsten MDax-Wert um 4,6 Prozent abwärts. In den Verhandlungen mit den Gewerkschaften über Sparmaßnahmen gab es bislang keinen Durchbruch. Angestrebt wird eine Lösung bis Donnerstag. Dann findet die Hauptversammlung statt, bei der über eine Kapitalbeteiligung des Bundes an der Fluggesellschaft abgestimmt wird. Nervös wird vor allem auf Großaktionär Heinz Hermann Thiele geblickt, der Nachverhandlungen mit dem Bund gefordert hatte. Wird das Rettungspaket nicht durchgewunken, droht ein Insolvenzverfahren.

Im SDax sprangen die Anteilsscheine des Stahlhändlers Klöckner & Co um 17,5 Prozent hoch. Dank Einsparungen infolge der fortschreitenden Geschäftsdigitalisierung kam KlöCo in der Corona-Krise besser als zunächst befürchtet durch das zweite Quartal.

Pfeiffer Vacuum zogen nach vorläufigen Zahlen um 3,1 Prozent an. Haupttreiber für den Aktienkurs sei aber vielmehr die Busch-Gruppe, die wohl mehr Kontrolle übernehmen dürfte, sobald das Management neu aufgestellt worden sei, schrieb Commerzbank-Analyst Adrian Pehl.

Der Euro stieg bis zum frühen Nachmittag auf 1,1322 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,1218 Dollar festgesetzt.

Am Rentenmarkt lag die Umlaufrendite wie am Vortag bei minus 0,44 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,01 Prozent auf 144,94 Punkte. Der Bund-Future sank um 0,24 Prozent auf 175,53 Zähler./edh/mis

- Von Eduard Holetic, dpa-AFX -