FRANKFURT (dpa-AFX) - Die erneute starke Lockerung der EZB-Geldpolitik geht Bundesbank-Präsident Jens Weidmann zu weit. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) sei mit dem am Donnerstag beschlossenen "sehr umfangreichen Paket" aus seiner Sicht "über das Ziel hinausgeschossen", sagte Weidmann der "Bild"-Zeitung (Samstag): "Ein so weitreichendes Paket wäre nicht nötig gewesen."

Die Notenbank hatte am Donnerstag nicht nur die Strafzinsen für geparkte Gelder von Banken von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent verschärft, sondern auch eine Wiederaufnahme der Anleihenkäufe beschlossen - und das ohne zeitliche Begrenzung.

"Mit dem Beschluss, noch mehr Staatsanleihen zu kaufen, wird es für die EZB immer schwerer, aus dieser Politik auszusteigen", warnte Weidmann. "Die Nebenwirkungen und Finanzstabilitäts-Risiken der sehr expansiven Geldpolitik nehmen zu, je länger sie dauert."

Der Bundesbank-Präsident, der eine Stimme im EZB-Rat hat, hatte sich schon in der Vergangenheit immer wieder kritisch zu Anleihenkäufen geäußert. Durch die neuen Anleihenkäufe werden nach Ansicht Weidmanns die Grenzen zwischen Geld- und Fiskalpolitik "absehbar in Frage gestellt". Mit dieser Position sei er innerhalb des EZB-Rates "nicht allein", sagte Weidmann der Zeitung. Am Freitag äußerten sich auch die Notenbankchefs von Österreich und den Niederlanden, Robert Holzmann und Klaas Knot, kritisch zu den jüngsten EZB-Beschlüssen./ben/DP/jsl