Kaufen, liegenlassen und nicht weiter darüber nachdenken: Solche Aktien gibt es. Die Unternehmen sind eher unspektakulär und taugen nicht für große Wetten. Und genau das ist ihre Stärke.

In den vergangenen Wochen brauchten Anleger wieder einmal starke Nerven. Die Börsen glichen einer Berg- und Talfahrt. Jetzt, zum Jahresende kehrt augenscheinlich wieder mehr Optimismus an die Märkte zurück. In Hoffnung auf die traditionelle Weihnachtsrallye sind viele Investoren wieder in Kauflaune. DAX und EuroStoxx 50 reagierten bereits mit Zugewinnen. Andererseits schwebt über allem die große Drohwolke „Omikron“. Macht die besorgniserregende Coronavariante noch einen Strich durch die vorweihnachtliche Rechnung? Es bleibt abzuwarten.

Einerseits gibt es Berichte, wonach die Mutante mildere Krankheitsverläufe verursachen soll und somit dazu beitragen könnte, dass das Virus endemisch wird – also Teil unseres Alltags und des normalen Lebensrisikos. Andere Stimmen verweisen auf die noch dünne Datenlage und den Umstand, dass die dokumentierten Fälle in Südafrika bereits mehrheitlich mit anderen Coronavarianten infiziert waren und somit zumindest eine gewissen Immunschutz hatten.

Solide Basiswerte für Langfrist-Anleger

Welche Unsicherheiten die Börsen auch immer beeinflussten: Gerade in turbulenten Phasen haben solide Basiswerte im Depot für etwas Ruhe gesorgt. Überrenditen konnte man keine erwarten, solche Werte zeichneten sich eher durch Beständigkeit und eine gewisse Verlässlichkeit aus. Wer Börse als Langfristengagement verstanden hat und die Füße möglichst stillhalten konnte, wenn die Kurse – egal in welche Richtung – ausreißen, wird solche Dauerläufer wertschätzen. In einem breit aufgestellten Depot konnten die „Volksaktien“ ihre Wirkung entfalten.

Evonik: Aktie immer noch unter Radar trotz spannender Nachhaltigkeitsideen

Der 2007 gegründete Spezialchemie-Konzern Evonik fliegt zugegebenermaßen weit unter dem Radar investitionsfreudiger Börsianer. Der Kurs scheint zu stagnieren, obwohl das Unternehmen zukunftsweisende Konzepte für mehr Nachhaltigkeit im Portfolio hat. Beispiel: Waschmittel. Jeder braucht sie, jeder benutzt sie, doch die darin enthaltenen Tenside belasten die Gewässer. Evonik hat ein abbaubares Biotensid entwickelt, das eigenen Angaben zufolge komplett aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird. Hautverträglichkeit und Waschleistung sollen sogar besser als bei herkömmlichen Waschmitteln sein.

Ein weiteres Beispiel: Tiernahrung. Evonik macht mit speziellen Aminosäuren das Futter besser verwertbar, sodass weniger Proteine beigemischt werden müssen und die Futtermenge insgesamt reduziert werden kann. Dies soll den Ausstoß von Stickstoffen und CO2 reduzieren und den weltweiten Verbrauch von Energie, Wasser und Ackerland verringern.

Und noch ein Beispiel für mehr Nachhaltigkeit: Autoreifen. Mit eigens entwickelten Energiesparreifen soll der Kraftstoffverbrauch um bis zu acht Prozent gesenkt werden. Haftung und Nassrutschfestigkeit hingegen werden nach Angaben des Unternehmens erhöht.

Diese Anwendungsbeispiele zeigen, dass der Essener Konzern weit über Chemie im engeren Sinn hinausgeht und an zukunftsorientierten Lösungen für den Alltag arbeitet. Nach den jüngst vorgelegten Quartalszahlen stieg der Umsatz im dritten Quartal 2021 um 33 Prozent, das bereinigte EBITDA um 24 Prozent. „Im dritten Quartal sind wir weiter stark gewachsen“, wird Vorstandschef Christian Kullmann in einer Investoren-Mitteilung zitiert.

Alle vier Chemie-Divisionen konnten von gestiegener Nachfrage profitieren. Höhere Kosten für Rohstoffe, Energie und Logistik konnten wir durch höhere Verkaufspreise vollständig kompensieren.

BASF: „Volksaktie“ mit langer Tradition und robustem Geschäftsmodell

Die Wurzeln des in Ludwigshafen beheimateten Chemiekonzerns BASF gehen auf die 1865 gegründete und namensgebende Badische Anilin & Sodafabrik zurück. Lange Jahre galt der Titel als No-Brainer und geradezu als Must-have im Depot. In Zeiten von reddit-Hypes wirkt BASF etwas langweilig und doch bekommt man hier einen der großen Player im unverzichtbaren Chemiegeschäft. Von Chemikalien und Kunststoffen über Pflanzenschutzmittel bis hin zu Batteriematerialien für den E-Auto-Boom – an Produkten und Stoffen der BASF führt bislang kaum ein Weg vorbei.

Dies schlägt sich auch in einer starken Geschäftsentwicklung nieder. Nach Angaben des Konzerns zum dritten Quartal 2021 blieb die Nachfrage nach BASF-Produkten in den Sommermonaten stabil. „Dies ermöglichte es uns, weiter profitabel zu wachsen“, erklärt BASF-Vorstandvorsitzender Dr. Martin Brudermüller. „Im Vergleich zum dritten Quartal des Vorjahres konnten wir die Preise um 36 Prozent und die Mengen um sechs Prozent erhöhen“, so Brudermüller weiter. Wie der Konzern mitteilt, übertraf der Umsatz mit 19,7 Milliarden Euro den Wert des Vorjahresquartals um 5,9 Milliarden Euro. Zu diesem Ergebnis trugen demnach höhere Preise in allen Segmenten bei.

„Ein stark gesteigerter Absatz in nahezu allen Segmenten unterstützte das Umsatzwachstum zusätzlich“, fasst das Unternehmen zusammen. Das Ergebnis der Betriebstätigkeit (EBIT) vor Sondereinflüssen lag mit 1,9 Milliarden Euro um 1,3 Milliarden Euro über dem des Vorjahresquartals. Die Aktie konnte zuletzt die jüngsten Verluste wieder wettmachen. Als Dauerläufer im Depot lieferte der Titel in den vergangenen Jahren vergleichsweise verlässliche Performancebeiträge.

Telekom: Magentafarbener Kommunikationsriese mit langem Atem

Als die Deutsche Telekom 1996 an die Börse ging, löste die vermeintliche Volksaktie einen regelrechten Börsenboom aus. Die T-Aktie war für viele Neu-Anleger die Eintrittskarte in den Markt. Nach einem fulminanten Start kam dann aber – für viele Börsenneulinge überraschend – die scharfe Korrektur und das allgemeine Börsenfieber wich einer Katerstimmung. Der damals sehr träge, fast schon beamtenhaft strukturierte Konzern hat mit dem heutigen Unternehmen aber nicht mehr viel gemein.

Mobilfunk, Internet, TV: Die Deutsche Telekom gilt inzwischen zusammen mit der US-Tochter T-Mobile US als weltweiter Dienstleister in Sachen Kommunikation und Informationstechnologie. Trotz der hohen Konkurrenz in diesem Sektor läuft es für das Unternehmen wie geschmiert.

„Unsere Geschäfte laufen noch besser als erwartet“, kommentiert demgemäß Vorstandsvorsitzender Tim Höttges die vorgelegten Ergebnisse zum dritten Quartal 2021. „Nach starken Zahlen in den ersten neun Monaten legen wir die Messlatte für 2021 noch ein Stück höher.“ Nach einem guten dritten Quartal habe die Deutsche Telekom ihre Prognosen für das Gesamtjahr ein weiteres Mal angehoben.

Der Konzern rechne nun mit einem bereinigten EBITDA AL von rund 38 Milliarden Euro nach zuvor mindestens 37,2 Milliarden Euro, gibt das Unternehmen bekannt. Im dritten Quartal 2021 stieg der Konzernumsatz demnach in der organischen Betrachtung – ohne Veränderung von Konsolidierungskreis und Wechselkursen – gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,1 Prozent auf 26,9 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA AL kletterte organisch um 0,2 Prozent auf 9,7 Milliarden Euro. Damit gilt die T-Aktie heute als wachstumsträchtiger Titel auf solider Zahlenbasis. Der Wert konnte zuletzt wieder zulegen.

Fazit: Wie das Beispiel Telekom zeigt, sind vermeintlich solide Titel an der Börse immer für Überraschungen gut. Die T-Aktie wurde beim Börsengang als „vererbbare Zusatzrente“ mit entsprechender Sicherheit beworben – der Crash lehrte viele Kleinanleger die Mechaniken des Marktes auf die harte Tour. Daher gilt: Die Wertentwicklung in der Vergangenheit stellt keine Garantie für zukünftige Entwicklungen dar. Ein Aktiendepot sollte immer verschiedene Titel, Branchen und Regionen abdecken. Neben den populären Highflyern gibt es dabei immer Unternehmen zu entdecken, die seit Jahren im Geschäft sind und als Basisinvestment interessant sein könnten.

Autorin: KS, Redaktion Fondsdiscount.de

 


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