Normalerweise hätten wir um diese Jahreszeit schon wieder einigen Stress und zugleich viele angenehme Begegnungen mit Fans guter Weine hinter uns. Neben ersten Präsentationen im Weingut wären wir im März auf der bedeutenden Fachmesse ProWein in Düsseldorf vertreten gewesen. Aber sie wurde, bedingt durch Corona, zum zweiten Mal nach 2020 abgesagt. So hatte unser Team mehr Zeit, sich um die im Keller heranreifenden und teilweise auch schon abgefüllten Weine des hoffnungsvollen Jahrgangs 2020 zu kümmern. Und wir konnten uns in den letzten Monaten auch der Entwicklung in den Weingärten widmen.

In der Zeit des Winterschlafs in der Natur war bereits viel Handarbeit in den Reben notwendig. Sie mussten durch den Rebschnitt in Form gebracht werden. Es gibt verschiedene Erziehungsarten für die Stöcke. Wir haben im Lauf der Zeit unsere Erfahrungen gesammelt, was für welche Sorten besonders geeignet ist. Außerdem werden bei dieser Tätigkeit auch die Ruten deutlich reduziert und damit schon sehr früh die Weichen für die Erntemengen im Herbst gestellt. Überprüft wird außerdem, ob Pfähle und Drahtrahmen auszubessern sind und eventuell Reben neu gepflanzt werden müssen.

Corona-bedingt hatte unser Team mehr Zeit, sich um die im Keller heranreifenden und teilweise auch schon abgefüllten Weine des hoffnungsvollen Jahrgangs 2020 zu kümmern (Bildquelle: Weingut Herzog von Württemberg)

Bauernregel und Eisheilige

Faszinierend ist es jedes Jahr für uns, wenn wir sehen, wie die Natur erwacht. Knospen bilden sich und brechen auf, das erste Grün zeigt sich am Stock. Wir hoffen in dieser Zeit, dass eine alte Bauernregel keine Gültigkeit hat: „Bringt der April noch Schnee und Frost, gibt’s wenig Heu und sauren Most.“ Noch mehr bangen wir in dieser Zeit, dass die Eisheiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und die „Kalte Sophie“ zwischen dem 11. Und 15. Mai nicht wieder zuschlagen. Auch uns erwischte es letztes Jahr, gottlob ohne heftige Folgeschäden für die Reben, die in 2021 wieder austreiben. Es wird zwar viel von Klimawandel und Erwärmung gesprochen, aber solche Naturgewalten haben nach wie vor Bestand. Wir müssen mit dieser Gefahr leben…

Weintipp: Wagen Sie sich an einen Rosé

Mit gespannter Erwartung bin ich im Frühjahr öfter im Keller zu finden, um mit meiner Mannschaft Jungweine aus dem Fass oder Tank zu verkosten und ihre Entwicklung zu beobachten. Manche waren durch eine zeitige Ernte im Herbst schon richtig frühreif und damit füllfertig.

Aktuell möchte ich ihnen einen jugendlichen Wein ans Herz legen, der eine besondere Stellung in unserem Haus einnimmt, nämlich den Rosé „Attempto“ des Jahrgangs 2020. Der Name, übersetzt „Ich wage es“, war ein Wahlspruch des ersten Herzogs von Württemberg, Eberhard im Bart (1445 bis 1496). Er prägte ihn bei einer Pilgerreise ins Heilige Land. Die hellrote Cuvée von Lemberger, Merlot und Syrah hat eine animierende Frucht im Aroma und ist im Geschmack ausgewogen, saftig und angenehm herb. Mir schmeckt der Rosé besonders gut zu Salaten, Vorspeisen, Nudelgerichten oder einfach als Entree zu einem guten Mahl.

Ihr Michael Herzog von Württemberg

Der Sohn von Carl Herzog von Württemberg und Diane Herzogin von Württemberg trat nach seinem Studium an der Fachhochschule für Landwirtschaft im Jahr 1997 in das Weingut der Familie ein. Das Weingut Herzog von Württemberg, im Jahr 1677 gegründet, befindet sich bei Schloss Monrepos in Ludwigsburg und ist seit 1986 im VDP (Verband der Prädikatsweingüter e.V.). Der Traubenadler auf jeder Flasche ist das Erkennungszeichen.

www.weingut-wuerttemberg.de

Bilder: Weingut Herzog von Württemberg

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