BERLIN (dpa-AFX) - In der Debatte um einen möglichen Corona-Bonus auch für Pflegekräfte in Krankenhäusern rücken die Betreiber stärker in den Blick. Das Bundesgesundheitsministerium verwies am Freitag in Berlin darauf, dass Pflegekosten in Kliniken, die die Tarifpartner in Eigenregie regeln, von den gesetzlichen Krankenkassen gegenfinanziert würden. Daraus ergebe sich bereits die Möglichkeit, solche Boni zu vereinbaren, sagte ein Sprecher. Parteiübergreifend war Kritik daran laut geworden, dass ein Bonus wegen besonderer Belastungen in der Corona-Krise nur für Mitarbeiter in der Altenpflege kommen soll.

Der Bundestag hatte den steuerfreien Corona-Bonus von bis zu 1000 Euro Mitte Mai beschlossen. Länder oder die Arbeitgeber können den Bonus auf bis zu 1500 Euro aufstocken, die steuerfrei bleiben würden. Die Kosten für den Bund werden mit rund einer Milliarde Euro veranschlagt - tragen soll dies vorerst die Pflegeversicherung, der Bund hat aber einen Zuschuss angekündigt. Die Regierung verweist auch darauf, dass das generelle Lohnniveau in der Altenpflege deutlich niedriger sei als bei Pflegekräften in Krankenhäusern.

Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, sagte der "Augsburger Allgemeinen", die Arbeitgeber sollten alle Möglichkeiten zur Wertschätzung nutzen. "Alle Pflegekräfte verdienen deutlich mehr Anerkennung als bisher - unabhängig davon, wo sie arbeiten." Eine Bonuszahlung könne hier nur einen kleinen Beitrag leisten.

Die FDP-Pflegepolitikerin Nicole Westig wandte sich dagegen, mit dem Finger auf die Arbeitgeber zu zeigen. Das Ministerium hätte mit allen Beteiligten, wie Pflegekassen und Arbeitgebern ein Konzept aushandeln müssen. "Dabei hätte man direkt auch die Kliniken mit ins Boot holen können, damit die Krankenpflege bei der Corona-Prämie nicht leer ausgehen muss."/sam/DP/men