Hat ein Privatanleger bei einem geplanten Aktienkauf nicht bereits eine Entscheidung für ein konkretes Unternehmen getroffen, dann ist es bei dem Angebot von mehreren tausend Werten nicht immer einfach, eine Wahl zu treffen. Im übertragenen Sinne könnte man auch sagen, vor lauter Börse sieht man die einzelne Aktie nicht. Ein paar Auswahlkriterien für eine Depotposition wollen wir uns im Folgenden mal etwas genauer ansehen.

Welcher Anlegertyp bin ich?

Wer bei den ersten Schritten auf dem Börsenparkett davon ausgeht, mit Aktien zu jedem Zeitpunkt immer nur Gewinne zu machen, sollte wissen: Dies gelingt keinem noch so erfahrenen Anleger, zumindest ist mir keiner bekannt. Bevor man sich also konkret mit der Auswahl einer Aktie beschäftigt, sollte man eine kleine Selbstanalyse vornehmen.

Hier geht es zunächst konkret um die Risikoneigung jedes einzelnen: Also ab welchem Kursrückgang drückt dies auf die eigene Stimmungslage. Das kann bei dem einen Anleger schon bei -10 % der Fall sein, ein anderer Anleger verzieht bei -30 % noch keine Miene.

Auch spielt der Anlagehorizont noch eine entscheidende Rolle. Ist man grundsätzlich bereit, dem Unternehmen und seinem Geschäftsmodell einen längeren Zeitraum für eine Entwicklung zu geben, was eher dem Ansatz eines Foolishen Investors entspricht, oder erwartet man kurzfristig eine Kursexplosion, dann gehört man eher in das Lager der Spekulanten. Hat man für sich nun sowohl die eigene Risikoneigung als auch den Anlagehorizont definiert, geht es an die Auswahl des Unternehmens.

Welche Zahlen sind bei der Aktienauswahl relevant?

Neben den eben beschriebenen eher qualitativen Aspekten nun ein konkreter Blick auf ein paar Zahlen. Es geht hierbei eher um grundlegende Aspekte und nicht um die Frage, ob durch ein bestimmtes Investment langfristig eine Rendite über Marktdurchschnitt erzielt werden kann – dies ist eher ein Themenkomplex für Anleger, die bereits erste Erfahrungen mit Einzelwerten gesammelt haben. Bei dem Meer an angebotenen Informationen will ich mich hier auf ein paar wenige Zahlen konzentrieren: die Marktkapitalisierung, das Kurs-Gewinn-Verhältnis und die Dividendenrendite.

Blick auf die Marktkapitalisierung

Die Marktkapitalisierung gibt den Marktwert einer Aktiengesellschaft an. Tendenziell ist bei nach Marktkapitalisierung großen Unternehmen mit einem seit Jahrzehnten bewährten Geschäftsmodell und nachhaltiger Gewinnerzielung kurzfristig eher von geringeren Kursschwankungen auszugehen.

Im Gegensatz dazu kommt es bei Unternehmen mit eher geringer Marktkapitalisierung bei gleichzeitiger Wachstumsfantasie auf kurze Sicht oft zu deutlicheren Kursausschlägen, sowohl nach oben als auch nach unten, vor allem bei Abweichungen von Prognosen oder dem Wachstum. Letztendlich ist hier also eine Entscheidung für das eine oder andere eher eine Frage der persönlichen Präferenz.

Kurs-Gewinn-Verhältnis und Dividendenrendite

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist eine Kennziffer, bei der man den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn setzt. Bei einem KGV von beispielsweise 20 wird das Unternehmen mit dem 20-Fachen des Gewinns bewertet – aber dies ist ja zunächst nur mal eine Information. Daraus zu schließen, dass man beispielsweise bei einem sehr niedrigen KGV immer von einem attraktiven Investment ausgehen könnte, wäre zu kurz gesprungen. Umgekehrt kann auch bei einem höheren KGV ein Kauf lohnend sein, dazu mehr im nächsten Abschnitt.

Bei der Dividendenrendite setzt man den ausgeschütteten Gewinn je Aktie ins Verhältnis zum Kurs. Bei einer fiktiven Ausschüttung von 4 Euro je Aktie und einem Kursniveau von 100 Euro ergibt sich eine Dividendenrendite von 4 %. Etwas verallgemeinert kann man sagen, Substanzwerte haben gegenüber Wachstumswerten meist eine höhere Dividendenrendite, da letztere ihre Gewinne eher reinvestieren und so in der Zukunft einen Mehrwert für den Investor schaffen wollen.

Schlussfolgerung aus den Zahlen

Reichen diese wenigen Informationen als Momentaufnahme nun bereits für eine Kaufentscheidung aus? Aus meiner Sicht eindeutig: Nein! Die Entwicklung dieser Daten in der Vergangenheit und deren Prognosen sollten ebenfalls in die Entscheidung für einen Aktienkauf mit einfließen. Weiter ist es dann noch sinnvoll, diese Zahlen im Vergleich zur Branche und vor dem Hintergrund des Gesamtmarktes zu sehen. Für den ein oder anderen mag das zunächst nach viel Arbeit klingen, ich aber nutze diese Phase auch gerne dazu, einen möglichen Kaufkandidaten näher kennenzulernen.

Dieser hier beschriebene Ansatz ist weder absolut noch abschließend, eher ein Einstieg zur Orientierungshilfe. Jeder Privatinvestor beginnt mit dem ersten Schritt und vielleicht ist dieser Artikel ein Anstoß für dich, sich auf diesen Weg zu machen. Sinnvollerweise beginnst du sofort mit der Beantwortung der Frage: Will ich Investor oder Spekulant sein?

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Autor: Mark Merz, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

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