Der Begriff “Sharing Economy” ist in aller Munde. Während die einen darin ein alternatives Wirtschaftsmodell mit großem Zukunftspotenzial sehen, ist es für andere Heuchelei, wodurch mehr Schaden als Nutzen entsteht. Doch was genau bedeutet Sharing Economy? Und wo liegen die Vor- und Nachteile? Wir haben die wichtigsten Fragen für Sie beantwortet. 

Sharing Economy: eine Definition

Das Prinzip, sich Dinge zu teilen, ist uralt und das Ausleihen einer Bohrmaschine vom Nachbarn kein besonders innovatives Konzept. Doch mit der Sharing Economy bekommt das Teilen von Autos, Haushaltsgeräten, Kleidung oder sogar Wohnungen System. 

Im Gabler Wirtschaftslexikon heißt es: “Der Begriff der Sharing Economy (auch „Shared Economy“) meint das systematische Ausleihen von Gegenständen und gegenseitige Bereitstellen von Gegenständen, Räumen und Flächen, insbesondere durch Privatpersonen und Interessengruppen“.

Wie aus dem Teilen ein Wirtschaftsmodell wird

In einer digitalisierten Welt wird mittlerweile nicht mehr einfach beim Nachbarn geklingelt, sondern über Portale wie beispielsweise “nebenan.de” in der Nachbarschafts-Community digital gefragt, ob man das gewünschte Gerät ausleihen kann. Während man sich in diesem Fall vermutlich mit einem kleinen Obolus oder einem Stück Kuchen bei den Nachbarn bedankt, arbeiten viele Sharing Economy-Modelle längst sehr viel kommerzialisierter.

Beim Streaming-Anbieter Netflix beispielsweise zahlt man monatlich einen festen Betrag, damit man sich Filme und Serien nicht mehr als DVD oder Blu-ray kaufen muss, sondern eine unzählige Auswahl jeden Monat bequem von Zuhause anschauen kann. Der Personenbeförderungsdienst Uber ist ebenfalls ein börsennotiertes Unternehmen. Menschen können in der App angeben, wo sie gerade sind und wo sie hin möchten. Im Gegensatz zu klassischen Taxiunternehmen fahren die Privatpersonen, die Fahrten anbieten, mit ihren privaten Autos. Durch die Flexibilität und die günstigeren Preise konnte sich der Fahrdienst weltweit etablieren. 

Und auch auf dem Reisemarkt hat sich das System bereits etabliert. Wer schnell eine Unterkunft in einer fremden Stadt benötigt, greift in den meisten Fällen auf Airbnb zurück. Das Unternehmen arbeitet ebenso mit dem klassischen Sharing Economy Prinzip, indem Privatleute ihre Unterkunft, wenn sie gerade selbst nicht drin wohnen, an andere Menschen vermieten. Klingt praktisch und nach einer Win-Win-Situation für alle Beteiligten – doch ist es wirklich so einfach?

Die Vor- und Nachteile

Die Vorteile des Sharing-Modells liegen auf der Hand. Wenn man ein Produkt wie beispielsweise eine Bohrmaschine, ein Auto oder ein Fahrrad nur selten braucht, spart man sich die Anschaffungs- und Wartungskosten, wodurch die Ausleihe bedeutend schonender für den Geldbeutel ist. Auch die größere Vielfalt, die durch ein Abo-Ausleihsystem wie beim Streamingdienst Netflix erreicht wird, ist ein klarer Vorteil.

Hinzu kommt die große Flexibilität dank des einfachen Gebrauchs von Apps wie Uber oder auch Airbnb. Nicht zu vergessen die Ressourcenschonung der Umwelt, weil theoretisch weniger Produkte hergestellt werden müssen. Ebenso gestaltet es sich bei vielen Unternehmen als eine lukrative Einnahmequelle und für den Verbraucher als eine günstige Alternative zu bisherigen Modellen.

Dennoch zeigen sich mittlerweile auch immer mehr Nachteile des Systems. Bereits etablierte Unternehmen haben teilweise stark mit den Sharing-Modellen zu kämpfen. Manche Taxi-Unternehmen haben unter der günstigeren Konkurrenz durch Uber gelitten und geklagt. Teilweise haben sie recht bekommen. Auch der mangelnde Schutz für Mitarbeiter und Kunden ist ein Problem sowie das fehlen von Festanstellungen. Die Seite “Pergenz” erwähnt außerdem, dass zwar weniger Autos gekauft werden, die Mobilität insgesamt durch Carsharing und Co angestiegen ist.

Durch den Wohnungs-Sharing-Dienst Airbnb wiederum vermieten Menschen Wohnungen teilweise dauerhaft für Kurzaufenthalte auf der Plattform, statt langfristigen Wohnraum in der Stadt zu schaffen und die Räumlichkeiten unbegrenzt zu vermieten. Louis Rogers kritisiert in “The Architectual Review” außerdem, dass man sich um Gegenstände, die einem selbst gehören, auch mehr kümmert und sie dadurch länger halten. Längere Haltbarkeit wiederum schon ebenso die Umwelt, weil weniger Verschleiß entsteht.

Studien zeigen: Angebote werden verhältnismäßig wenig genutzt

Immer mehr Menschen setzten darauf, weniger neu zu konsumieren und mehr zu teilen, zu verleihen oder weiter zu verkaufen. Die Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung zur Sharing Economy von 2020, die vom Marktforschungsunternehmen Kantar durchgeführt wurde, zeigen diesen Trend in der Bevölkerung. Besonders die “seltene Nutzung” eines Produkts und der schonende Faktor für die Umwelt, weil weniger produziert werden muss, sprechen im Jahr 2020 bei den Menschen für die Nutzung von Sharing Angeboten.

Die Studie zeigt allerdings auch, dass die Sharing-Angebote der Firmen zwar den Menschen bekannt sind, aber verhältnismäßig wenig genutzt werden. Am beliebtesten ist die Ausleihmöglichkeit von Geräten im Baumarkt sowie Car-Sharing. Eine weitere Studie des Fraunhofer Instituts zur “Sharing Economy in der Mobilität” ebenfalls aus dem Jahr 2020 zeigt außerdem, dass Carsharing weiterhin der bekannteste Dienst ist, gefolgt von Bikesharing. Schlusslicht ist das sogenannte Ridesharing, zudem der Ausleih von E-Scootern gehört. 

Was kommt noch? 

Hoch gelobt und tief gefallen ist der Coworking Anbieter “Wework” innerhalb der vergangenen zwei Jahre. Das US-amerikanische Unternehmen bietet Coworking-Flächen an, in denen sich sowohl Freiberufler als auch Start-ups und etablierte Unternehmen einmieten können. 

Bereits 2019 hatte das Unternehmen vor, an die Börse zu gehen. Damals sorgten Ungereimtheiten in den Finanzen und die Eskapaden des CEOs Adam Neumann, wie unter anderem Business Insider berichtet, für einen Rückzug der Investoren. Mit 47 Milliarden Dollar wurde das Unternehmen laut Gründerszene damals bewertet.

Im März dieses Jahres erschienen Berichte, dass der Coworking-Space-Anbieter einen neuen Versuch unternimmt, an die Börse zu gehen, doch dieses Mal in Form eines Spac. Man habe sich mit dem Spac Bowx Acquisition Corp auf eine Fusion verständigt. Wie Manager Magazin berichtet, hatte das US-Unternehmen im Jahr 2020 einen Verlust von 3,2 Milliarden Dollar zu verzeichnen. Laut Berichten habe Wework dennoch eine Bewertung von 9 Milliarden Dollar inklusive Schulden erhalten und hofft auf 1 Milliarde Dollar von Investoren.

Die Corona-Pandemie hat dem Coworking-Geschäft zugesetzt, aber die letzten Quartalsberichte sehen wieder freundlicher aus und Wework glaubt an eine rasche Erholung. Auch die Trennung vom umstrittenen Ex-CEO Adam Neumann macht Hoffnung. Dennoch bleibt das Geschäft mit Coworking spannend, da immer mehr Arbeitgeber in der Pandemie die Vorteile des Homeoffice für sich entdeckt haben. Auch andere Sharing Economy Unternehmen werden erst noch zeigen müssen, ob der Hype gehalten werden kann. 

Auch der Kurs von Airbnb ist seit dem Börsengang Ende letzten Jahres von mehr als 180 Euro zu Beginn 2021 auf aktuell rund 113 Euro abgesunken. Der Kurs der Netflix-Aktie ist eine ständige Berg- und Talfahrt hält sich aber wacker über der 400 Euro Linie. Und auch für die Uber-Aktie ging es in den letzten Wochen wieder ein Stück bergab von mehr als 50 Euro im April auf aktuell rund 39 Euro.

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