Es geht weiter mit den Schlechten Nachrichten von Wirecard. Wie sich herausstellte, zahlte Wirecard wegen aufgebauschten Gewinnen massig an Steuern. Knapp 300 Millionen Euro nahm der Fiskus über die Jahre ein. Berechnet an Gewinnen, die womöglich gar nicht existierten.

Wirecards Steuerzahlungen

Am 30. September 2019 hieß es in einer Unternehmensmeldung: „Im 9-Monatszeitraum 2019 hat die Wirecard sowohl ihren Umsatz als auch den operativen Gewinn erneut deutlich steigern können.“

Sätze wie dieser ließen viele Aktionäre hoffen. Auch die Finanzbehörden bekamen große Augen. Denn wenn ein Unternehmen so viel verdient, muss es auch ebenso viel Steuern zahlen.

Der insolvente Aschheimer Zahlungsdienstleister hatte seit 2001 insgesamt knapp 300 Millionen Euro Steuern an den Fiskus überwiesen. Allein im Jahr 2018 gab es Steuerzahlungen in Höhe von über 62 Millionen Euro.

Für Wirecard-Aktionäre, die hohe Verluste hinnehmen mussten, ist die Aussicht auf eine mögliche neue Quelle dennoch gering. Denn selbst wenn es Rückerstattungsansprüche gäbe, würden diese in die Insolvenzmasse fließen. Auch wenn Wirecard knapp 300 Millionen Euro Steuern auf Gewinne bezahlt hatte, die es so womöglich nie gegeben hatte.

Erst diese Woche wurde bekannt, dass Wirecard viele Millionen Euro an eine Briefkastenfirma auf Mauritus verschwinden lassen hat. Das Finanzamt könnte dies als verdeckte Gewinnausschüttung bewerten. Diese könnte dann sogar zu weiteren Steuerforderungen führen, die sich mit eventuellen Rückerstattungsansprüchen ausgleichen könnten.

Wo ist Marsalek?

Währenddessen ist der ehemalige Vorstand Jan Marsalek weiter verschwunden. Marsalek steht aller Wahrscheinlichkeit nach im Zentrum der Affäre, denn er war der Hauptverantwortliche für das sogenannte Drittpartnergeschäft von Wirecard. Laut den Rechercheergebnissen der Financial Times steuerten drei dieser Drittpartner fast den gesamten Gewinn des Jahres 2016 bei, obwohl sie nur kleine Büros und wenig Personal führten.