Am vergangenen Freitag (19.06.) war großer Verfallstag an den Börsen. Zumindest am deutschen Aktienmarkt hielt sich das Interesse daran in Grenzen. Hier bestimmt(e) ein ganz anderes Thema das Geschehen. Die aktuellen Entwicklungen rund um den Zahlungsdienstanbieter Wirecard (WKN: 747206 ISIN: DE0007472060 Ticker-Symbol: WDI) dürften mittlerweile bei fast allen Marktakteuren Beachtung finden.

Kursdebakel statt Befreiungsschlag

In den letzten Tagen gab es einige aufsehenerregende Mitteilungen aus dem Hause Wirecard, die wohl mehrheitlich Fassungslosigkeit auf Anleger- und Analystenseite hervorgerufen haben dürften.

Eigentlich sollte es am vergangenen Donnerstag (18.06.) zum Befreiungsschlag gegen alle Kritiker des Unternehmens und vor allem gegen die Shortseller-Fraktion kommen. Mit der Vorlage eines testierten Konzernabschlusses für 2019 wollte sich das Unternehmen ein für alle Mal aus der Umklammerung der negativen Berichterstattung befreien; so zumindest der Plan. Doch die Abschlussprüfer verweigerten das Testat mit Verweis auf fehlende Nachweise für das Vorhandensein von Bankguthaben auf Treuhandkonten. Der Befreiungsschlag blieb aus, das Kursdebakel nahm seinen Lauf.

Kein „Weiter so“. Wirecard kämpft um Reputation.

Das Personalkarussell begann sich zu drehen. Vorstandsmitglied Marsalek und CEO Braun mussten gehen. Stattdessen übernahm James Freis, Jr., als Interims-CEO die Geschicke des Unternehmens. Die Abberufung Brauns gilt als wichtiges Signal an den Kapitalmarkt, dass man es mit dem Neuanfang auch wirklich ernst meint. Ob der neue „Besen“ tatsächlich gut kehren wird, bleibt mit Blick auf die Mammutaufgabe erst einmal abzuwarten. Um die Gespräche mit den Banken zur weiteren Finanzierung des Unternehmens zu führen, wurde die international tätige Investmentbank Houlihan Lokey hinzugezogen. Auch das kann man mit Blick auf das bisherige Wirken von Houlihan Lokey als wichtiges Signal an den Kapitalmarkt bewerten. Mit der heute (22.06.) in der Früh veröffentlichten Mitteilung setzt das Unternehmen seine Aufarbeitung fort, auch wenn das weitere schmerzhafte Einschnitte bedeutete. Das Unternehmen gab bekannt, dass die Bankguthaben auf den Treuhandkonten in Höhe von 1,9 Mrd. Euro mit „überwiegender Wahrscheinlichkeit“ nicht bestehen. Als Ergebnis wurden die bisherigen Einschätzungen für das Jahr 2019 und die Prognosen für 2020 einkassiert. Zudem wurden Auswirkungen auf vorangegangene Jahresabschlüsse nicht ausgeschlossen.

Aktienkurs setzt Sinkflug zum Wochenstart fort

Der Aktienkurs reagierte entsprechend auf die neue Nachrichtenlage und setzte seinen Sinkflug auch zu Beginn der neuen Handelswoche fort. Wann ein Boden für die Aktie erreicht sein wird, ist aus unserer Sicht völlig offen. Da das Unternehmen erst am Beginn der Aufarbeitung steht, drohen zudem weitere Hiobsbotschaften. Eine charttechnische Betrachtung hätte in dieser Situation keinen Wert.

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