Es ist definitiv eine bewegte Woche für die Aktie von Wirecard (WKN: 747206). Einerseits konnte der innovative Zahlungsdienstleister am Mittwoch dieser Woche auch weiterhin fantastische Wachstumszahlen im Rahmen der Berichtssaison präsentieren. Andererseits brach die Aktie des Zahlungsabwicklers jedoch im Laufe desselben Handelstages in der Spitze um ca. 17 % ein.

Die Gründe für diesen beeindruckenden Abverkauf waren allerdings nicht, wie man durchaus mutmaßen könnte, in irgendeiner Weise mit dem präsentierten Zahlenwerk verknüpft. Denn genau genommen hat ein kritischer Bericht der Financial Times über potenziell verdächtige Geldströme beim innovativen Zahlungsdienstleister viele Investoren verunsichert und die Aktie kurzerhand in die Knie gezwungen.

Lass uns daher an dieser Stelle die bisherigen Berichte mal ein kleines bisschen ordnen und überlegen, was diese unschönen Gerüchte, Berichte oder als was auch immer sie sich in den kommenden Tagen herausstellen werden, denn überhaupt für Wirecard bedeuten könnten.

Die bisherige Faktenlage im Überblick

Was wir bislang wissen, ist, dass ein äußerst kritischer Bericht der Financial Times für reichlich Unruhe gesorgt hat. Inhaltlich ging es darum, dass bei Wirecard im Singapur-Geschäft einige Unregelmäßigkeiten aufgetaucht seien. Wie es scheint, könnte hierbei ein sogenannter Whistleblower für den notwendigen Informationsfluss gesorgt haben. Insgesamt eine durchaus brisante Situation für den innovativen Zahlungsdienstleister.

Im Fokus der Kritik stand übrigens ein Manager aus dem besagten Singapur-Geschäft Wirecards. Dieser hätte letztlich Dokumentenfälschung betrieben und zudem sei der Verdacht auf Geldwäsche aufgekommen, wobei stets potenzielle Geschäfte mit einem lokalen Anbieter namens Flexi Flex als konkreter, fragwürdiger Geschäftsgegenstand kolportiert werden.

Wirecard selbst hat diese Berichte inzwischen zweimal dementiert. In einem ersten Statement relativ zeitnah nach dem Auftauchen des brisanten Artikels wies Wirecard die Vorwürfe als „völlig substanzlos“ zurück. Zudem veröffentlichte der innovative Zahlungsdienstleister heute eine ausführlichere Klarstellung, der den Bericht als ungenau, irreführend und diffamierend bezeichnete. Ferner seien bei internen und externen Auditaktivitäten keine nennenswerten Beanstandungen festgestellt worden. Weder im Geschäft Wirecards noch beim besagten in der Kritik stehenden Wirecard-Manager selbst. Außerdem gäbe es zwischen Wirecard und Flexi Flex bislang keine geschäftlichen Beziehungen, was ebenfalls dafürspreche, dass die Grundlage für den Artikel sachlich falsch sei.

So viel nun also zu der verzwickten Ausgangslage. Doch lass uns besser ein wenig überlegen, was die Gerüchte und der konkrete Bericht für Wirecard bedeuten könnte.

Ein paar weiterführende Gedankengänge

Nun, ich muss dir mit Sicherheit nicht mehr sagen, dass derartige Gerüchte nie gut für ein Unternehmen sind. Speziell für Wirecard sind derartige Berichte, die an seiner Glaubwürdigkeit zerren, allerdings besonders kritisch. Denn Wirecards Geschäft als Zahlungsabwickler lebt schließlich davon, dass Unternehmen und Personen dem Unternehmen ihre Finanzen anvertrauen. Vertrauen ist daher für den weiteren Erfolg Wirecards eine sehr, sehr essenzielle Sache.

Dennoch dürfte es sich grundsätzlich anbieten, die derzeitigen Berichte etwas kritischer zu hinterfragen. Vor allem bei Wirecard sind derartige Schlagzeilen nämlich nicht neu.

Bereits in der Vergangenheit gab es schon einige Male Vorwürfe bezogen auf die Glaubwürdigkeit Wirecards. Es könnte daher sein, dass ein potenzieller Short-Seller, der prinzipiell ein Profiteur schlechter Neuigkeiten sein könnte, hier bewusst falsche Informationen gestreut hat. Wobei auch das natürlich zum gegenwärtigen Zeitpunkt lediglich Spekulationen sind.

Was eine solche spekulative Gegenargumentation allerdings ebenfalls unterfüttern könnte, ist, dass es nach Informationen von Wirecard im Vorfeld des Berichtes möglicherweise verstärkte Short-seller-Aktivitäten gegeben haben könnte. Sofern sich das durch die inzwischen eingefädelten Ermittlungen der BaFin bestätigen sollte, könnte dies Wirecard deutlich entlasten.

Auch so mancher Analyst hat Wirecard inzwischen bereits den Rücken gestärkt. So bezeichnete die Commerzbank die derzeitigen Gerüchte als ein neues Kapitel an Fake News. Und auch ein Analyst von Hauck & Aufhäuser kommt zunächst zum Ergebnis, es sei äußerst unwahrscheinlich, dass das Top-Management des innovativen Zahlungsdienstleisters die beschriebenen Praktiken bei der Bilanzierung dulden würde.

Wie wir daher abschließend sehen können, gibt es gegenwärtig durchaus einige Zeichen der Entspannung in dieser insgesamt sehr brisanten Situation.

Was Anleger jetzt am besten tun sollten

Bleibt zum Abschluss noch die spannende Frage, was alle Wirecard-Investoren denn nach diesen turbulenten Handelstagen tun sollten. Und auch wenn eine allgemeingültige Lösung und der einzig richtige Weg hier noch nicht existieren, könnte es sich meiner Meinung nach anbieten, zunächst Ruhe zu bewahren.

Die kommenden Tage und Wochen werden mit Sicherheit noch so manche neue Information ans Tageslicht befördern und es ist definitiv nicht verkehrt, diese abzuwarten, ehe man handelt. Ruhe könnte daher ein essenzielles Gebot der Stunde sein, um beim weiterhin chancenreichen und nun etwas ins Trudeln geratenen Zahlungsdienstleister keine vorschnelle, falsche Entscheidung zu treffen.

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Vincent besitzt Aktien von Wirecard. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2019

Autor: Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst