Es liest sich wie ein Wirtschaftskrimi: Nachdem der umstrittene Financial Times Reporter Dan McCrum bereits Anfang des Jahres prekäre Dokumente über die Buchhaltungspraktiken des Aschheimer FinTechs Wirecard in Singapur veröffentlichte, ging der Konzern auf die Barrikaden und schoss mit schwerem Geschütz gegen die FT. Doch seit den neusten Whistleblower Leaks hat sich das Blatt erneut gedreht.

Bis kurz vor dem gestrigen Handelstag war die Welt rund um Wirecard noch in Ordnung, doch nachdem die britische Wirtschaftszeitung Financial Times gestern einen Artikel und Dokumente veröffentlichte, die weitere Zweifel an der Buchhaltungspraxis von Wirecard aufkommen lassen, stürzte alles zusammen. Die Veröffentlichungen bezogen sich diesmal nicht auf die Tätigkeiten in Singapur, sondern zielten direkt auf Geschäfte in Dubai und Irland und prangerten das Unternehmen an mit dubiosen Mitteln den Umsatz und Gewinn betrügerisch zu steigern. Dem Artikel der Financial Times waren Dokumente angehängt, die die schweren Vorwürfe belegen sollen. Ein Wirecard Mitarbeiter namens Al Al Alam soll im Mittelpunkt der Wirecard Affaire stehen und maßgeblich dazu beigetragen haben Umsätze und Gewinne in Dubai und Irland zu hoch ausgewiesen zu haben und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young zu täuschen.

Die Financial Times ihrerseits verteidigte die Veröffentlichung mit dem vorhergehenden "Angriff" von Wirecard. Der Konzern warf dem Reporter McCrum Marktmanipulation und Zusammenarbeit mit Shortsellern vor, was eine Untersuchung der Finanzaufsichtsbehörde Bafin gegen die FT nach sich zog.

Wirecard Reaktion

Wirecard weist in einer Stellungnahme die Anschuldigungen der Financial Times auf Fehlverhalten zurück. Der Artikel der FT sei "eine Zusammenstellung von falschen und irreführenden Behauptungen, die Dan McCrum bereits früher in verleumderischen Artikeln aufgebracht hatte und die bereits wiederlegt wurden."

Ob dem wirklich so ist werden wohl zukünftige Prüfungen ergeben. Dem Kurs von Wirecard hat die Veröffentlichung zumindest vorerst nicht gut bekommen und so fiel dieser gestern kurzzeitig um 30 Euro von 140 auf 109 Euro. Dannach pendelte er sich bei 122 Euro ein. Eine gute Nachricht für die Anleger ist zumindest, dass die DZ Bank die Einstufung von Wirecard trotz der Vorwürfe bei 185 € belassen hat.