Der gestrige Handelstag dürfte in der Börsengeschichte noch lange in Erinnerung bleiben. Die Hinweise auf einen großen Betrugsfall um Wirecard häufen sich. Die NordLB hat das Kursziel von Wirecard bereits auf 20 Euro gesenkt. Derzeit steht die Wirecard-Aktie bei 20,73 und hatte somit einen Verlust von über 80 Prozent.

Verdacht auf Betrug

Die philippinische Bank BDO Unibank, bei der Wirecard angeblich eines der zwei Treuhandkonten geführt haben soll, erklärte an diesem Freitag: „Das Dokument, in dem die Existenz eines Wirecard-Kontos bei BDO behauptet wird, ist ein manipuliertes Dokument, das gefälschte Unterschriften von Bankangestellten trägt. Der Fall ist an die Zentralbank der Philippinen berichtet worden.“

Auf den zwei Treuhandkonten waren angeblich 1,9 Milliarden Euro. Die Wirtschaftsprüfung Ernst & Young bezweifeln jedoch, dass das Geld tatsächlich existiert.

Oddo BHF

Die Investmentbank Oddo BHF hat Wirecard von „Neutral“ auf „Reduce“ abgestuft und das Kursziel von 120 auf 35 Euro zusammengestrichen. Analyst Stephane Houri sprach in einer am Freitag vorliegenden Studie von einer „großen Katastrophe“, nachdem die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY (Ernst & Young) kein Testat für die Bilanz des Zahlungsabwicklers für 2019 ausgestellt hatte. Kurzfristig könne auch der „Worst case“ einer Zahlungsunfähigkeit nicht ausgeschlossen werden, wenn die Banken ihre Außenstände einforderten.

Independent Research

Das Analysehaus Independent Research hat Wirecard von „Kaufen“ auf „Verkaufen“ abgestuft und das Kursziel von 120 auf 40 Euro gesenkt. Zum nunmehr dritten Mal schon sei die Veröffentlichung des Geschäftsberichts für 2019 verschoben worden, schrieb Analyst Markus Jost in einer am Donnerstag vorliegenden Studie. Nachdem der Abschlussprüfer EY Hinweise auf eine Täuschungsabsicht verwiesen habe, sei das Investorenvertrauen nun wohl endgültig verspielt. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung des Zahlungsabwicklers sei erheblich gestiegen.

Nord LB

Die NordLB hat Wirecard von „Halten“ auf „Verkaufen“ abgestuft und das Kursziel von 80 auf 20 Euro gesenkt. „Das letzte noch vorhandene Fünkchen an Anlegervertrauen dürfte nun verspielt sein“, schrieb Analyst Wolfgang Donie in einer am Donnerstag vorliegenden Studie nach erneuter Verschiebung des Konzernabschlusses für 2019. „Nachdem schon die monatelange Sonderprüfung von KPMG nicht zu einer vollständigen Entkräftung der von externen Medien erhobenen Manipulationsvorwürfe geführt hat, weitet sich der Skandal nach der vierten Verschiebung der Bilanzvorlage in Verbindung mit neuen schweren Vorwürfen nun zu einer existenzbedrohenden Krise aus.