Der durch den Bilanzskandal gebeutelte Zahlungsdienstleister Wirecard stellte an diesem Montag einen Insolvenzantrag. Die Verantwortlichen haben die Notbremse gezogen: „ Wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung sah der Vorstand den einzigen Ausweg in der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Gegen zwei ehemalige Vorstände wurden bereits Haftbefehle erlassen.

In einer Adhoc Meldung teilte das Unternehmen mit: „Der Vorstand der Wirecard AG hat heute entschieden, für die Wirecard AG beim zuständigen Amtsgericht München einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung zu stellen.“ Weiterhin werde geprüft ob auch Tochterfirmen von Wirecard Insolvenzanträge stellen müssen. Die Wirecard Aktie wurde vor direkt vom Handel ausgesetzt.

Zuvor war die Wirecard Aktie erstmalig wieder zu einem einstelligen Kurs gehandelt worden. Mit 9,96 Euro wurde der tiefste Stand seit 2011 erreicht. Die Aktie verlor nach der vierten Verschiebung der Bilanz für 2019 und der Erkenntnis von mutmaßlichen Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro über 90 Prozent.

Weiterhin hat Wirecard bei anderen Banken Schulden in Höhe von knapp 2 Milliarden Euro. Die Gläubigerbanken haben das Recht die Kredite vorzeitig zu kündigen. Da Wirecard mit der erneuten Verschiebung wichtige Vertragsklauseln verletzte. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst& Young hatte dem Zahlungsdienstleister zuvor das Testat verweigert, da die Bestätigungen der Treuhandkonten gefälscht waren.

Philippinischer Anwalt meldet sich

Nun meldete sich auch der philippinische Anwalt Mark Tolentino zu Wort. Tolentino wurde zuvor als Treuhänder von Wirecard für die 1,9 Milliarden präsentiert. Er selbst fühlt sich hereingelegt: „Die Wahrheit ist, dass alles, was sie hier haben, nur dünne Luft ist. Es reichte gerade einmal, um sich ein iPhone zu kaufen.“ In einem Facebook Post machte sich Tolentino fast darüber lächerlich, ihm würde jemand 2 Milliarden Euro übertragen. „Ich habe keinerlei Erfahrung mit Finanzmanagement. Warum sollte ein im Bankwesen ungebildeter Mann wie ich gigantische Summen verwalten?“