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Wirtschaft: Türkei-Probleme 'offen ansprechen' - Automarkt schwach

13:58 Uhr 21.10.2018

BERLIN/ANKARA (dpa-AFX) - Vor der Türkei-Reise von Wirtschaftsminister Peter Altmaier in der kommenden Woche mahnen deutsche Unternehmen, die politischen Spannungen zwischen den Ländern nicht auszublenden. Die türkische Wirtschaft ist derzeit in einer Schwächephase. Auch die wichtige Autoindustrie ist einer Analyse zufolge davon betroffen.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Martin Wansleben, sagte der Deutschen Presse-Agentur, der Besuch des CDU-Politikers mit einer Delegation von Firmenvertretern am Donnerstag und Freitag (25./26. Oktober) sei ein guter Anlass, miteinander auch bei heiklen Themen im Gespräch zu bleiben. Dies sei eine "Möglichkeit, die aktuellen Herausforderungen offen anzusprechen", erklärte Wansleben. "Gerade bei den Themen Rechtssicherheit, Investorenschutz und Unabhängigkeit der türkischen Zentralbank sollte das Vertrauen wieder gestärkt werden."

Die deutsche und die türkische Wirtschaft sind stark miteinander verflochten. Im August waren die Exporte der Bundesrepublik in das Land allerdings erheblich abgesackt - auch wegen der schwierigen Lage dort. Vor allem die Krise der Lira und hohe Inflation sind ein Problem. Gleichzeitig gibt es umstrittene Vorschriften der Regierung in Ankara, um den weiteren Verfall der Währung aufzuhalten - etwa durch angekündigte Strafen für "Wucherer" oder die Regel, Erlöse aus dem Export zu wenigstens 80 Prozent in Lira umzutauschen.

Eine schwächere Landeswährung verbilligt Exporte, macht Einfuhren aber deutlich kostspieliger. Dies sei auch für die Autoindustrie schwierig, erklärte der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. Laut einer Analyse brachen die Zulassungen neuer Pkw in der Türkei im September verglichen mit dem Vorjahresmonat um über zwei Drittel (67,1 Prozent) ein - noch einmal deutlich stärker als im August (50,9 Prozent). "Neue Autos - und das betrifft nicht nur die Importfahrzeuge - werden für die Türken immer unerschwinglicher."

Aus dem Ausland eingeführte Modelle stünden für rund 70 Prozent der Verkäufe neuer Wagen in dem Land, berichtete Dudenhöffer. Auch die deutsche Autoindustrie exportiert dorthin. Die Abkühlung des Markts sei zudem ein Anzeichen für trübere Erwartungen in der gesamten Wirtschaft: "Es geht längst nicht mehr um eine Bankenkrise, sondern die Rezession ist in der Türkei im Leben der Leute angekommen."

Wansleben meinte, es komme zudem zu politischen Eingriffen in Marktprozesse. Insgesamt blieben die Chancen der Türkei groß. "Das alles wird derzeit allerdings überlagert." Viele Experten hatten sich zuletzt auch besorgt gezeigt, weil Präsident Recep Tayyip Erdogan auf Konfrontationskurs zur Zentralbank ging und höhere Zinsen ablehnte.

Nach Angaben der Kammern sind derzeit über 6500 deutsche Firmen in der Türkei aktiv, sie beschäftigen dort etwa 120 000 Menschen. Für das Land am Bosporus ist Deutschland ein besonders wichtiger Handelspartner, im vergangenen Jahr erhielt die Türkei aus der Bundesrepublik Güter im Wert von 21 Milliarden Euro./jap/DP/jha

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