BEIRUT (dpa-AFX) - Nach einem erneuten Absturz der Landeswährung verschärft sich die schwere Wirtschaftskrise im Libanon weiter. Die libanesische Lira fiel am Dienstag auf ein Rekordtief zum Dollar, wie ein Händler berichtete. Demnach kostete ein Dollar auf dem Schwarzmarkt erstmals 28 000 Lira. Die Landeswährung hat damit mittlerweile rund 95 Prozent ihres früheren Werts verloren. Analysten erwarten in den nächsten Tagen einen weiteren Liraverfall.

Das Land leidet seit mehr als zwei Jahren unter der schwersten Wirtschaftskrise seiner Geschichte. Rund drei Viertel der Bevölkerung leben mittlerweile in Armut. Die Inflation liegt bei fast 150 Prozent, für Lebensmittel bei rund 280 Prozent. Wegen des Anstiegs der Ölpreise und schlechter Infrastruktur müssen viele Menschen täglich über Stunden ohne Strom auskommen. Es fehlt an Medikamenten. Viele versuchen, das Land zu verlassen, etwa über das Mittelmeer.

Die Regierung ist weitestgehend gelähmt. Wegen eines Streits der führenden Parteien über die Ermittlungen zur Explosionskatastrophe im Hafen von Beirut hat sich das Kabinett seit rund zwei Monaten nicht getroffen. Die UN warnten im vergangenen Monat, der Libanon stehe kurz davor, ein gescheiterter Staat zu werden. Bei der Detonation im Hafen waren im vergangenen Jahr mehr als 190 Menschen gestorben.

Viele Libanesen werfen der politischen Elite Korruption vor. Das Land ist in der Krise auf internationale Hilfe angewiesen. Potenzielle Geldgeber wie Deutschland oder andere europäische Staaten wollen die Regierung aber erst unterstützen, wenn diese weitreichende Reformen beschlossen hat. Im multikonfessionellen Libanon ist die Macht nach einem jahrzehntealten Schlüssel aufgeteilt./jku/DP/stk