Gestern ging das Fintech-Unternehmen Wise  durch ein Direkt Listing in London an die Börse und wurde dabei deutlich höher bewertet als geplant. Kurz nach dem IPO betrug der Kurs des Zahlungsabwicklers 825 Pence (GBX). Dies gilt auch als Erfolg für die Londoner Börse. Schließlich handelt es sich hierbei um den bisher größten IPO eines Technologie-Unternehmens in Großbritannien. 

Wise übertrifft mit 11-Milliarden-Dollar-Bewertung alle Erwartungen 

Daten des Informationsdienstleisters Refinitiv zeigen, dass der indizierte Preis der Stimmrechtsaktien am Mittwoch von 750 Pence eine Marktkapitalisierung von 7,95 Milliarden Pfund (rund 11 Milliarden Dollar) entsprechen würde. Die ursprüngliche Bewertung des im Jahr 2010 gegründeten Startups lag bei rund 6 bis 7 Milliarden Dollar. Der Handel mit Wise-Aktien begann mit 800 Pence um 12 Uhr deutscher Zeit. Zu Börsenschluss am Mittwoch notiert der Titel mit einem Plus von 8,55 Prozent bei 868,40 Pence. 

Bei der Direktplatzierung werden keine neuen Aktien ausgegeben, sondern es werden die Aktien gehandelt, welche von bereits bestehenden Anlegern verkauft werden. Dies ist für die Londoner Börse ein sogenannter Lackmustest, da sich bisher noch kein Unternehmen dort  für diese Art Börsengang entschieden hat. Das bedeutet, dass noch nicht klar ist, wie die Entscheidung einer Direktplatzierung einzuordnen ist und es nun abzuwarten gilt, ob sie sich als positiv erweist. Sollten die Investoren gut reagieren, dürften weitere Unternehmen dieser Branche nachziehen.

Dieser Meinung ist auch die Managerin bei der Fintech-Beratung 11:FS, Sarah Kocianski: „Ob andere Unternehmen in die Fußstapfen von Wise treten und sich für eine Börsenplatzierung entscheiden, hängt von dem Erfolg von Wise ab“.  An der Wall Street ist diese Art des Börsengangs nicht neu. Erst kürzlich haben Spotify, Coinbase und Slack diese Methode angewandt. LSE-Chefin Julia Hogett sagte, dass die Börse durch die Wise-Notierung ihre Flexibilität unter Beweis gestellt habe. 

Was steckt eigentlich hinter der Entscheidung einer Direktplatzierung der Wise-Aktie?

Der CEO und Gründer von Wise, Kristo Käärmann, erklärte kürzlich gegenüber dem Handelsblatt, dass eine Direktplatzierung billiger und transparenter sei als ein herkömmlicher Börsengang.

Wise, das vor Kurzem noch unter dem Namen Transferwise bekannt war, hat sich zunächst auf Auslandsüberweisungen zu Echtzeit-Wechselkursen spezialisiert. Dabei verschickten die zehn Millionen Kunden in Großbritannien rund fünf Milliarden Britische Pfund im Monat ins Ausland. Mittlerweile bietet Wise jedoch auch andere Dienstleistungen im Bereich des Zahlungsverkehrs an. Doch vor allem wegen dem Service der Auslandsüberweisungen konnte der Londoner profitabler wachsen als einige andere Growth-Unternehmen. 

Der Gewinn für das am 31. März endende Geschäftsjahr 2021 lag bei fast 45 Millionen Pfund, und somit mehr als 90 % über dem Ergebnis des Vorjahres. Dies ist das fünfte Jahr in Folge, in dem Wise mit einem Gewinn abschließt.  Allerdings hat sich das Umsatzwachstum im vergangenen Jahr abgeschwächt. Der Umsatz des Unternehmens beträgt 421 Millionen Pfund, was einer Steigerung von nur 39% gegenüber dem Umsatz von 2020 entspricht. Im Vorjahr betrug der Anstieg sogar 69 %.

/sf