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WOCHENAUSBLICK: Wohl und Wehe des Dax hängt am Zins - Holprige Kursentwicklung

15:11 Uhr 16.02.2018

FRANKFURT (dpa-AFX) - Auf zu alten Höhen? Oder nur eine Pause auf dem Weg zu neuen Tiefständen? Die Meinungen am Markt über die kommende Börsenwoche geht auseinander. Mit einem Anstieg des Dax in der abgelaufenen Woche von rund 300 Punkten kann sich die Stabilisierung sehen lassen, war der Index in den drei Wochen zuvor doch um fast 1500 Punkte eingebrochen. Dies war der schärfste Rücksetzer seit zwei Jahren.

"Nachdem die Aktienmärkte in den Vorwochen ein wenig durchgeschüttelt worden sind, trauten sich Anleger wieder Käufe zu", fasst Claudia Windt von der Helaba die Gemengelage zusammen. Die Analystin glaubt jedoch nicht an ein Ende der Kursverluste. Deren Auslöser seien Inflationssorgen und Tendenzen einer Überhitzung der Konjunktur in den USA gewesen. Diese realen Warnsignale würden jedoch "beiseite gewischt und sogar als Ausdruck einer starken Wirtschaft interpretiert".

Mit Spannung dürften Investoren am Mittwoch die Einschätzung der US-Notenbank Fed zur aktuellen Lage beäugen. Immerhin ist die Fed als erste der großen Notenbanken auf einen etwas restriktiveren Kurs der Geldpolitik eingeschwenkt. An den Kapitalmärkten seien gegenwärtig etwas mehr als drei Zinserhöhungen in diesem Jahr in den USA eingepreist, merkt die BayernLB an. "Der Konsens der Volkswirte erwartet in diesem Jahr insgesamt vier Zinsschritte".

Steigende Zinsen aber könnten die Party an den Aktienbörsen vermiesen. Denn Anleihen gewinnen mit höheren Renditen im Verhältnis zu Aktien an Attraktivität. Auch verteuert sich mit steigenden Marktzinsen die Finanzierung der Unternehmen, was wiederum auf deren Profitabilität drückt. "Höhere Zinserwartungen scheinen die Anleger zu verschrecken", sagt Stratege Craig Erlam vom Broker Oanda.

Ziel der Notenbanken müsse es sein, "galant" aus der Politik niedriger Zinsen herauszukommen, ohne die Anleihemärkte "ins Chaos zu stürzen", schrieb Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. Vor allem die Fed stehe vor der schwierigsten Aufgabe seit vielen Jahren. Ihre Entscheidungen beeinflussten Immobilien ebenso sehr wie Aktien und Anleihen. "Fast Alles hängt am Zins".

Stratege Albert Edwards von der französchen Bank Societe Generale wirft in einem Marktkommentar die Frage, auf welches Niveau die Rendite zehnjähriger US-Anleihen steigen müsse, um die Aktienmärkte unter Druck zu setzen - und beantwortete sie gleich selbst: "Über 2,85 Prozent scheinen auszureichen, um Aktien absacken zu lassen". Der Anstieg der US-Bonds über dieses Niveau hatte am Monatsanfang den Ausverkauf an den Börsen ausgelöst.

Als Grund hierfür macht der Stratege vor allem ein "groteskes Timing der Steueranreize von US-Präsident Trump" aus. In eine Phase ohnehin steigender Zinsen hinein erhöhe eine stark steigende Verschuldung der USA den Druck auf die Fed, die Zinsschraube noch rascher anzuziehen. Dies aber könne sogar zu einem Kollaps an den Finanzmärkten in den USA führen, warnte Edwards, der seit Jahren zu den kritischen Beobachtern der Geldpolitik der Notenbanken zählt.

Derweil nimmt die Quartalsberichtssaison von Unternehmen ihren Lauf. In der neuen Woche lassen sich mit der Deutschen Börse , HeidelbergCement , der Deutschen Telekom , Henkel und ProSiebenSat.1 mehrere Dax-Konzerne in die Bücher schauen.

Für Furore könnte am Donnerstag die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts über mögliche Dieselfahrverbote sorgen. Je nachdem, wie das Gericht entscheidet, könnten Kommunen weiter an Maßnahmen zur Luftreinhaltung gebunden sein - Diesel-Fahrverbote eingeschlossen. In diesem Szenario könnten die Kurse der Automobilhersteller unter Druck geraten./bek/mis/das

--- Von Benjamin Krieger, dpa-AFX ---

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