FRANKFURT (dpa-AFX) - Die schlechte Stimmung am deutschen Aktienmarkt wird sich in der neuen Woche wohl erst einmal nicht so schnell aufhellen. Nach der Ankündigung neuer Strafzölle gegen China durch US-Präsident Donald Trump erreichte der Handelskrieg zwischen den beiden Großmächten eine neue Eskalationsstufe und setzt die Aktienmärkte weltweit wieder schwer unter Druck.

"Statt den Konflikt zu lösen, setzt Trump noch einen drauf", kommentierte Marktanalyst Salah Bouhmidi vom Broker DailyFX. "Die Marktteilnehmer sehen das negativ und drücken die Märkte nach unten. Der Handelskonflikt könnte nun in einer neuen Runde zu einer stärkeren Belastung für die Börsen und die Realwirtschaft werden."

Ob der Dax <DE0008469008> die gerissene 12 000er-Marke in den kommenden Tagen nachhaltig zurückerobern kann, ist daher mehr als fraglich. Vielmehr gelte es, mit dem Sturz unter die 50-Tage-Linie nun auf die näher rückenden Unterstützungen bei 11 819 bis 11 869 Punkte zu achten, schreibt die BayernLB in ihrer aktuellen technischen Analyse.

Auch psychologisch sei der Rückfall unter 12 000 Punkte nun eine Belastung, ergänzte ein Händler. Er hält es für denkbar, dass der Dax in der neuen Woche auch die 200-Tage-Linie, die als Indikator für den längerfristigen Trend gilt und derzeit bei knapp über 11 640 Punkten verläuft, testen wird.

Die geldpolitischen Lockerungen der Notenbanken scheinen am Aktienmarkt keine positiven Wirkungen mehr zu entfalten. "Das süße Gift des billigen Geldes wirkt nicht mehr", konstatierte die LBBW in ihrem Wochenausblick. Der US-Notenbank Fed sei es mit ihrer jüngsten Leitzinssenkung nicht gelungen, neue Kursfantasie am Aktienmarkt zu entfachen.

Konjunkturrisiken würden nun wieder höher gewichtet als der monetäre Rückenwind, hieß es von der LBBW. Investmentanalyst Frank Klumpp rät daher den Anlegern, das Pulver trocken zu halten, zumal die saisonal schwachen Börsenmonate gerade erst begonnen hätten. Der Dax habe im August und September seit 1988 immer besonders gelitten.

Die Berichtssaison hat hierzulande ihren Zenit mittlerweile überschritten, was nicht bedeutet, dass es in der neuen Woche nicht nochmal zur Sache geht. Allein aus dem Dax öffnen elf Unternehmen ihre Bücher. Es sind dies der Industriegasekonzern Linde <IE00BZ12WP82> am Montag und der Konsumgüterhersteller Beiersdorf <DE0005200000> sowie die Deutsche Post <DE0005552004> am Dienstag.

Am Mittwoch sind dann der Autozulieferer Continental <DE0005439004>, der Versorger Eon <DE000ENAG999>, der Rückversicherer Munich Re <DE0008430026> und der Zahlungsabwickler Wirecard <DE0007472060> an der Reihe. Der Sportartikelkonzern Adidas <DE000A1EWWW0>, die Deutsche Telekom <DE0005557508>, der Pharma- und Chemiekonzern Merck KGaA <DE0006599905> sowie der Industriekonzern Thyssenkrupp <DE0007500001> folgen am Donnerstag. Zur Halbzeit der Dax-Bilanzsaison mit zahlreichen Gewinnwarnungen sei das Fazit bislang enttäuschend, so die LBBW.

Konjunkturseitig dürften in Deutschland der Auftragseingang der Industrie (am Dienstag) sowie am Tag darauf die Industrieproduktion die größte Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Laut der Postbank lässt die schlechte Stimmungslage in den deutschen Unternehmen eine Trendumkehr bei den Auftragseingängen als unrealistisch erscheinen. In der Folge davon sehen die Postbank-Experten auch die Voraussetzung für die Produktion im verarbeitenden Gewerbe als ungünstig an./ajx/tih/jha/

--- von Achim Jüngling, dpa-AFX ---