FRANKFURT (dpa-AFX) - Zwischen Gewinnmitnahmen einerseits und Aktienkäufen zu spät Gekommener andererseits könnte der deutsche Aktienmarkt auch in der neuen Woche erst einmal auf hohem Niveau feststecken. Ein Kaufsignal wäre möglicherweise der Anstieg des Dax über das bisherige Corona-Hoch vom 3. September bei 13 460 Punkten. Dazu hat es zuletzt trotz steigender Kurse nicht gereicht.

Die heftigen Aktienverkäufe an der US-Technologiebörse Nasdaq sorgten inzwischen auch an den übrigen Märkten für Vorsicht. So sackte der europäische Technologiesektor vom Rekordhoch Anfang des Monats um sechs Prozent ab. Die Gewinnmitnahmen in diesem Marktsegment zeigten, "dass es in den letzten Wochen mit dem Börsenaufschwung einfach zu schnell ging", sagte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank.

Gleichzeitig nutzten Anleger Rücksetzer immer wieder für Käufe. So kamen bei Dax-Kursen unter 13 000 Punkten zuletzt mit schöner Regelmäßigkeit Einsteiger in den Markt. Das zeigt laut Kater, "dass viele Anleger noch an der Seitenlinie stehen und ihre Aktienbestände aufstocken wollen". Hier wirkten die Signale der Notenbanken in den USA und der Eurozone, die beide deutlich gemacht hätten, an einer ultralockeren Geldpolitik festzuhalten.

Auch auf ihrer Sitzung am Mittwoch der neuen Woche dürfte die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) eine noch lange Zeit lockere Geldpolitik ein weiteres Mal bekräftigen, prognostizierte Kapitalmarktanalyst Robert Halver von der Baader Bank: "Einen besseren Freund als die Fed werden Aktien nie haben". Möglicherweise gibt die Fed also den Startschuss für eine nächste Etappe der Aktien-Rally. Für den Dax würde das den Angriff auf das Rekordhoch vom Februar bei knapp 13 800 Zählern bedeuten.

Einen Blick wert sein könnten am Dienstag die ZEW-Konjunkturerwartungen im September. Hierzu befragen die Mannheimer Wirtschaftsforscher die Akteure an den Kapitalmärkten - die wiederum ihre Prognosen nicht selten an den Aktienkursen festmachen. Und die sind im August und bislang auch im September geklettert. Volkswirt Stefan Bielmeier von der DZ Bank erwartet vom ZEW allerdings einen kleinen Dämpfer, "hauptsächlich mit Blick auf die wieder gestiegenen Coronavirus-Infektionszahlen".

Durchkreuzt werden könnte eine weitere Rally-Etappe allerdings von den Hexen. Am Freitag laufen an den Derivatebörsen in großem Stil Terminkontrakte und Optionen auf Aktien aus. Dieser auch Hexensabbat genannte Börsentermin findet jeweils zum Ende eines Quartals statt. Anleger versuchen dann, die Kurse in die für sie vorteilhafte Richtung zu bewegen. Das sorgt oftmals für erratische Ausschläge - und hat nicht selten eine Aufwärtsbewegung zumindest kurzzeitig abgewürgt./bek/ajx/eas/fba

- Von Benjamin Krieger, dpa-AFX -