FRANKFURT (dpa-AFX) - Aus dem erhofften Endspurt am deutschen Aktienmarkt vor den Weihnachtsfeiertagen könnte in der neuen Woche wohl doch nichts werden. Der vermutlich harte Lockdown in Deutschland - mit möglichen drastischen Beschränkungen etwa auch für Einzelhandel und Schulen - drückt auf die Börsenstimmung und lässt die Anleger wieder vorsichtiger agieren.

Der Dax pendelte in den vergangenen Wochen um die Marke von 13 300 Punkten. Damit verteidigte er zwar seinen Kurszuwachs seit der ersten Impfstoff-Erfolgsmeldung vor knapp fünf Wochen recht gut, kam jedoch über sein Anfang September erreichtes Hoch seit dem Corona-Crash nicht hinaus.

Auch die jüngsten Beschlüsse der Europäischen Zentralbank (EZB) - mit einer kräftigen Ausweitung der Anleihenkäufe - vermochten dem Aktienmarkt keine neuen positiven Impulse zu geben. Dem Dax droht nun eher der Weg nach unten statt nach oben. Charttechnisch ist das Barometer auf kurze Sicht angeschlagen, die runde Marke von 13 000 Punkten wackelt. Mit einer Jahresendrally und womöglich neuen Rekorden in den kommenden Tagen rechnen Marktteilnehmer eher nicht.

Weitere Lockdown-Maßnahmen gehen laut Chefvolkswirt Ulrich Kater von der Dekabank an der Wirtschaft nicht spurlos vorüber. Das dürften die Einkaufsmanagerindizes für Euroland (am Mittwoch) ebenso zeigen wie das Ifo-Geschäftsklima (am Freitag), schrieb er in seinem Wochenausblick. Er wies ferner darauf hin, dass es in den USA noch immer nicht zu einer Einigung der Parteien über weitere Fiskalhilfen zur Ankurbelung der Wirtschaft gekommen sei. "Zwar werden die hohen Kursniveaus grundsätzlich wohl Bestand haben, aber die Börse könnte auf ein etwas trübes Jahresende zusteuern."

Vielleicht gelinge es der US-Politik in der neuen Woche doch noch, die Anleger zu erfreuen, indem das Fiskalpaket verabschiedet werde, schlugen die Experten der Helaba vorsichtig optimistische Töne an. Auch könnte ihnen zufolge die US-Notenbank (Fed) noch einmal kräftig nachlegen. Die Sitzung zum Zinsentscheid und zu den geldpolitischen Beschlüssen steht am Mittwoch auf der Tagesordnung. Laut der Helaba wird die Fed wohl zusätzliche Maßnahmen beschließen, um die Konjunktur zu stimulieren. "Die massive Ausweitung der Bilanzsumme der Notenbanken war bislang ein wichtiger Treiber für weltweit steigende Aktien-Notierungen."

Neben den rasant steigenden Corona-Infektionszahlen und dem wohl bevorstehenden bundesweiten Lockdown belastet hierzulande auch der starke Euro . Besonders Aktien von Exportunternehmen, wie sie im Dax zahlreich vertreten sind, sind betroffen. Außerhalb der Eurozone kann dadurch die Nachfrage nach Waren deutscher Unternehmen gedämpft werden.

Und dann ist da immer noch das Dauerthema Brexit, das den Anlegern auf den Magen schlägt. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat für diesen Sonntag eine Entscheidung angekündigt, nachdem - wie so oft schon - ein Treffen zwischen ihr und dem britischen Premier Boris Johnson vor wenigen Tagen keinen Durchbruch gebracht hatte. "Institutionelle Investoren werden wohl erst das Ergebnis des EU-Gipfels zum Brexit-Handelspakt abwarten und dann ihre Investmententscheidungen treffen", erwartet Marktexperte Andreas Lipkow von Comdirect.

Hatte das Gezerre um einen Brexit-Handelspakt den deutschen Markt in jüngster Vergangenheit nur wenig belastet, sorgt das Thema angesichts der immer knapperen Zeit nun wieder für erhöhte Unsicherheit. EU und Großbritannien verhandeln seit Monaten über ein Handelsabkommen. Mit dem 1. Januar 2021 endet die Brexit-Übergangsfrist und Großbritannien scheidet aus dem Binnenmarkt und der Zollunion aus - dann möglicherweise ohne einen Deal.

Zu Kursturbulenzen könnte es am Aktienmarkt mitunter am Freitag kommen, weil an diesem Tag Terminkontrakte auf Aktien und Indizes an den Terminbörsen auslaufen. Auch ohne wesentliche Unternehmens- oder Konjunkturnachrichten können die Kurse dann stärker schwanken. Wegen der teils wilden Zuckungen an den Märkten wurde für dieses Ereignis der Begriff Hexensabbat geprägt. Außerdem treten mit dem Ende des Hexensabbat dann die von der Deutschen Börse beschlossenen Index-Änderungen in Kraft. Für den Dax allerdings wird alles beim Alten bleiben.

Corona-Zahlen, Lockdowns, Brexit, US-Zinsentscheid und der Hexensabbat dürften also die neue Woche größtenteils bestimmen. Unternehmensseitig ist es hingegen eher ruhig. Detaillierte Jahreszahlen veröffentlichen am Montag der Handelskonzern Metro sowie am Dienstag der Elektronikhändler Ceconomy ./ajx/ck/jha/

- Von Achim Jüngling, dpa-AFX -