FRANKFURT (dpa-AFX) - Am deutschen Aktienmarkt begann das neue Jahr wie das alte endete: mit einer anhaltenden Rekordjagd. Der hiesige Leitindex Dax knackte jüngst erstmals die Marke von 14 000 Punkten und auch der Index der mittelgroßen Werte MDax sowie der Nebenwerteindex SDax schwangen sich zu Höchstständen auf.

Das Coronavirus grassiert zwar weiter, aber Anleger hoffen auf die Kraft flächendeckender und effizienter Impfungen. Hinzu kommt die finanzielle Unterstützung von der Politik und den Notenbanken. Doch angesichts der fulminanten Rally seit dem Tiefpunkt der Corona-Krise Mitte März wird manchen Anlegern vielleicht auch mulmig zumute. Sie könnten bei schlechten Nachrichten erwägen, erst einmal Kasse zu machen.

Noch aber herrscht an der deutschen Börse Partylaune. So konstatierten die Wertpapierexperten der DZ Bank: "Die Aktienmarkt-Bewertung sieht hoch aus, ist hoch - und kann noch steigen. Der allgemeine Optimismus in Bezug auf Aktien ist eine gängige Marktmeinung." Wer jetzt gegen diese handeln wolle, müsse darauf vertrauen, dass sich die meisten der aktuellen wirtschaftlichen und monetären Bedingungen umkehren werden. Dies scheine aber "eine weltfremde Annahme" zu sein.

Aktuell setzten Anleger "weiterhin auf das Erholungsszenario der globalen Wirtschaft und ignorieren die anhaltend hohen Infektionszahlen in den USA und Europa", schrieben die Experten der Weberbank. In Deutschland stieg zuletzt die Zahl der gemeldeten Corona-Todesfälle in Deutschland auf einen Tageshöchstwert seit Pandemiebeginn.

Impulse erhoffen sich die Investoren von dem neu gewählten US-Präsidenten Joe Biden, dessen Demokratische Partei nach zwei erfolgreichen Senatsstichwahlen im Bundesstaat Georgia nun wieder eine Mehrheit in der mächtigen Kongresskammer in Washington hat. Mit dem demokratisch dominierten Repräsentantenhaus im Rücken könnte Biden nun durchregieren und umfangreiche Konjunkturpakete zur Stützung der Wirtschaft auf den Weg bringen.

Etwas skeptischer ist Analyst Markus Reinwand von der Landesbank Helaba. Reinwand erinnerte mit Blick auf die derzeit überbordende Risikofreude an den schwindelerregenden Anstieg der Digitalwährung Bitcoin, den Kritiker als große Finanzblase werten. "Zwischen gesundem Optimismus und gefährlicher Sorglosigkeit ist oft nur ein schmaler Grat", schrieb der Helaba-Experte. Viel Positives sei an den Aktienmärkten schon eingepreist und Anleger hätten in den letzten Monaten ihre Portfolios sehr offensiv ausgerichtet. Die Luft werde damit dünner.

Ob die aktuell hohen Bewertungen an den Aktienmärkten gerechtfertigt sind, muss sich also noch erweisen. Die wichtigen Arbeitsmarktdaten aus den USA für Dezember jedenfalls enttäuschten zuletzt etwas. Am Freitag, den 15. Januar werden nun weitere bedeutende Konjunkturdaten aus den USA veröffentlicht, die eine genauere Bewertung der aktuellen Lage erlauben. Laut Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, können die Wirtschaftsnachrichten insbesondere Aufschluss über die tatsächlichen Auswirkungen der neuerlichen Lockdown-Bedingungen auf die US-Volkswirtschaft geben, die bislang verhältnismäßig gering geblieben sind.

Am Freitag werden aus den Vereinigten Staaten zunächst Daten zum Einzelhandelsumsatz im Dezember und dann zur Lage im Produzierenden Gewerbe im Bundesstaat New York veröffentlicht. Im weiteren Tagesverlauf stehen dann noch Angaben zur Industrieproduktion im Dezember und zum Verbrauchervertrauen im Januar auf der Agenda.

Bereits am Montag wird der Dekabank zufolge mit dem vom Analysehaus Sentix berechneten Investorenvertrauen für die Eurozone der erste wichtige Stimmungsindikator des neuen Jahres veröffentlicht. Im Januar bewege er sich im Spannungsfeld der sich materialisierenden Hoffnung auf die Impfstoffe und der unbefriedigenden Entwicklung der Corona-Neuinfektionen. Während das Anlaufen des Impfens trotz aller Reibungsverluste Hoffnung auf eine Normalisierung des wirtschaftlichen Lebens mache, dämpften die Infektionszahlen sowie die Verlängerungen und Verschärfungen der Lockdowns den kurzfristigen Ausblick. Die Dekabank erwartet daher eine Verbesserung der Konjunkturerwartungen und eine Verschlechterung der Lageeinschätzung. Unter dem Strich dürfte der Sentix gegenüber dem Dezember zurückgehen.

Ebenfalls am Montag lohnt sich der Blick auf einige Geschäftszahlen von Unternehmen. Im Fokus stehen dann der Spezialist für Software zur Fernwartung und für Videokonferenzen, Teamviewer , sowie der vor kurzem in den SDax aufgestiegenen Onlinebroker Flatexdegiro .

Am Freitag warten die Anleger mit Spannung auf den Beginn der Berichtssaison der US-Banken, die unter anderem von den Finanzhäusern JPMorgan , Citigroup und Wells Fargo eingeläutet wird. Die Resultate könnten auch die Aktienkurse der hiesigen Branchenvertreter bewegen./la/ajx/he

- Von Lutz Alexander, dpa-AFX -