FRANKFURT (dpa-AFX) - Die neue Woche wird dem deutschen Aktienmarkt wohl vorerst wieder Verluste einbrocken. Der Dax könnte seiner raschen und starken Erholung inmitten des unverändert wütenden Kriegs in der Ukraine Tribut zollen, wobei vor allem die Nachwehen des großen Verfallstags an den Terminmärkten spürbar werden dürften. Konjunkturseitig stehen indes sowohl in den USA als auch hierzulande nur wenige wichtige Daten auf der Agenda. Zudem neigt sich die Berichtssaison in Europa dem Ende entgegen. Aufmerksamkeit sollten jedoch die neu gemischten Indizes auf sich ziehen, allen voran der deutsche Leitindex Dax , der mit zwei Neuzugängen aufwartet.

"Über Wohl und Wehe der Börsen dürfte auch in der kommenden Woche der geopolitische Konflikt zwischen der Ukraine und Russland entscheiden", kommentierte Marktexperte Timo Emden. "Die Hoffnung auf einen Burgfrieden steht weiterhin auf tönernen Füßen." Emden konstatierte eine "Hinhaltetaktik" in der Kommunikation zwischen Kiew und Moskau.

Die laufenden Verhandlungen, aber auch die Folgen des Krieges für die Wirtschaft, bleiben somit im Fokus der Anleger. Obwohl dreieinhalb Wochen nach der russischen Invasion ein Waffenstillstand noch immer nicht greifbar ist, verlief nach der vorangegangenen, schwankungsreichen Börsenwoche auch die vergangene Woche stark für den Dax. Noch am ersten Montag im März war das Börsenbarometer wegen des Ukraine-Kriegs auf 12 438 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit November 2020 abgesackt. Nun pendelt es bereits wieder im Bereich von 14 300 und 14 400 Punkten, auch wenn die Nervosität unter den Anlegern unverändert hoch ist.

Die kräftigen Erholungsgewinne gehen jedoch bestenfalls in einem geringen Maße auf die noch laufenden, aber bislang ergebnislosen Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland zurück. Börsianer schreiben sie vielmehr dem Verfallstag an den Terminbörsen vergangenen Freitag zu. Marktexperte Andreas Lipkow von Comdirect erwartet daher, dass zumindest der Beginn der neuen Woche "unter dem Zeichen des großen Aufräumens" nach dem Verfall steht.

Auch Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar von Robomarkets und die Experten von Index-Radar verweisen darauf, dass nach einem großen Verfallstag häufig zunächst ein Richtungswechsel ansteht. "Für den Dax könnte nach seiner 2000-Punkte-Rally vom Tiefpunkt also erst einmal das Ende der Aufwärtsbewegung gekommen sein", schreibt Molnar. Index-Radar spricht von einer Bärenmarktrally, in der "der nächste Rückschlag nur eine Frage der Zeit" sei.

Konjunkurseitig dürften in der neuen Woche vor allem die Stimmungsdaten für März mit Spannung erwartet werden. Robert Greil erwartet eine deutliche Eintrübung, sowohl bei den Verbrauchern als auch den Unternehmen. Der Chefstratege von Merck Finck erwartet entsprechend "signifikante Rückgänge", wenn am Mittwoch das Verbrauchervertrauen in der Eurozone, am Donnerstag die Einkaufsmanagerindizes für Deutschland, Europa und die USA und am Freitag das Ifo-Geschäftsklima veröffentlicht werden. "Sowohl die Fakten als auch die anhaltende Unsicherheit rund um den Russland-Ukraine-Konflikt und seine vielfältigen Folgen dürften den zuvor verbreiteten Optimismus sehr stark belastet haben."

Unternehmensseitig ist das wohl wichtigste Ereignis die neue Zusammensetzung der Indizes. Im Dax geben dann der Nutzfahrzeughersteller Daimler Truck und die Hannover Rück ihr Stelldichein. Dafür steigen der Nivea-Hersteller Beiersdorf und Siemens Energy in den MDax ab. Daimler Truck legt zudem am Donnerstag sein vollständiges Zahlenwerk für 2021 vor und dürfte auch eine Prognose für das Jahr 2022 abgeben. Absatzzahlen hatte der Konzern bereits Mitte Januar veröffentlicht.

Außerdem gehören von Montag an der Medienkonzern RTL , der Autovermieter Sixt und der Wafer-Hersteller Siltronic dem MDax an. Der Spezialsoftware-Anbieter Compugroup , die zum Autozulieferer Faurecia gehörende Hella und der Autohändler Auto1 haben für diese drei ihre Plätze räumen müssen und sind jetzt im Nebenwerte-Index SDax gelistet. Dort hat außerdem der IT-Dienstleister Adesso einen Platz ergattert und den Online-Modehändler Global Fashion Group verdrängt./ck/gl/stw

- Von Claudia Müller, dpa-AFX -