FRANKFURT (dpa-AFX) - Zentralbanken und Aufseher weltweit wollen dem Klimawandel sowie den damit verbundenen wirtschaftlichen und finanziellen Risiken mehr Gewicht einräumen. Das "Network for Greening the Financial System" (NGFS), ein globaler Verbund von 66 Zentralbanken und Aufsichtsbehörden, veröffentlichte am Mittwoch neue Empfehlungen, wie solche Faktoren beim Risikomanagement im Finanzsektor stärker berücksichtigt werden können.

"Wir müssen die Auswirkungen des Klimawandels und der ergriffenen Gegenmaßnahmen noch besser verstehen und kommunizieren. Das gelingt uns nur, wenn wir Klimamodelle zu einem integralen Baustein unserer Analysen und Prognosemethoden machen", erklärte Bundesbank-Vorstandsmitglied Sabine Mauderer in einem Gastbeitrag für die "Börsen-Zeitung" (Mittwoch).

Die Szenarien des NGFS zeigen auf, wie sich der Klimawandel auf wichtige ökonomische Variablen auswirken kann - auch auf jene, die für die Geldpolitik maßgeblich sind. So könnten zum Beispiel Extremwetterlagen und ein Temperaturanstieg Lieferketten kurzfristig oder gar dauerhaft stören. Preise würden in der Folge stärker schwanken, Zentralbanken müssten kurzfristige Inflationserwartungen häufiger korrigieren. Das ist nicht unproblematisch, denn die Inflationsrate ist eine Schlüsselgröße für die Geldpolitik.

"Natürlich sind Klimamodelle technisch anspruchsvoll und komplex. Daher müssen Zentralbanken und Aufsichtsbehörden ihre Finanz- und Wirtschaftsanalysen für private Haushalte, Regierungen und den Finanzsektor in Zukunft noch aktiver erläutern", schreibt Bundesbank-Vorständin Mauderer in dem gemeinsam mit Sarah Breeden von der Bank of England verfassten Beitrag in der "Börsen-Zeitung": "Je mehr wir darüber wissen, was auf dem Spiel steht, desto klarer wird, dass es jetzt Zeit ist zu handeln."/ben/DP/jha