Der MSCI World gerät zunehmend in die Kritik. Rund 68 Prozent des 'Weltaktienindex' sind US-Aktien, viele davon Tech- & Internet-Konzerne. Das berge ein hohes Klumpenrisiko, meinen Kritiker. Was ist dran an der Kritik?

Börsenneulingen wird häufig zu börsengehandelten Fonds (ETFs), die den MSCI World Index abbilden, geraten. Denn der MSCI World sei mit 1.557 Large- und Mid-Caps-Aktien aus 23 Industrieländern sehr stark diversifiziert. Dadurch würden Klumpenrisiken vermieden und Anleger profitierten langfristig vom Wachstum der Weltwirtschaft, so das Argument der Befürworter.

Doch der 'Weltaktienindex' gerät zunehmend in die Kritik. „Schon der Begriff ist irreführend. Schließlich kann von einem 'Weltindex' kaum die Rede sein, wenn nur Aktien aus 23 entwickelten Ländern enthalten, sind“, meint Peter Thilo Hasler, Gründer und Analyst von Sphene Capital.

Problematisch sei aus seiner Sicht zudem, dass sich „der Index nur aus den Large- und Mid-Caps-Werten dieser Staaten zusammensetzt, die meist interessanteren Small-Caps aber außen vor bleiben“. Deshalb könne „von einem, diese Länder repräsentierenden Index nicht gesprochen werden“, so Hasler im Gespräch mit wallstreet:online.

Ein weiterer Kritikpunkt am MSCI World ist dessen starker USA-Fokus, der ein hohes Klumpenrisiko darstelle, so Kritiker. Tatsächlich liegt der Anteil von US-Aktien am MSCI World bei 67,95 Prozent (Stand: September 2021). Zur Verdeutlichung: Wer für 100 Euro Anteile an einem MSCI World-ETF kauft, investiert damit fast 68 Euro in US-Aktien.

Allerdings sind die USA weiterhin die größte Volkswirtschaft der Welt. 2020 lag das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Vereinigten Staaten von Amerika laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) bei rund 20,9 Billionen US-Dollar. China folgte mit einem BIP von rund 14,7 Billionen US-Dollar auf Platz zwei.

Ein weiteres Klumpenrisiko beim MSCI World sei die Dominanz von US-Technologie- und Internetunternehmen, so eine häufig angebrachte Kritik. Tatsächlich dominieren Apple, Amazon, Microsoft, Google-Alphabet, Facebook, Nvidia, Tesla, JPMorgan Chase und Johnson & Johnson den MSCI World. Zusammen machen sie 18 Prozent des Indexgewichts aus.

Klaus Brune, Leiter des Börsen-Ressorts bei PLATOW, findet diese Kritik jedoch nur bedingt angebracht. „Zum einen sind viele dieser Aktien auch überdurchschnittlich wachstumsstark, so dass die Enttäuschung sich bei ihnen in Grenzen halten dürfte [. . .] Und zum anderen sind insgesamt doch rund 1.550 Aktien im MSCI World vertreten und repräsentieren 85 Prozent der weltweiten Börsenkapitalisierung“.

Die Bewertung des MSCI World ist aus Brunes Sicht zudem „noch nicht aus dem Ruder gelaufen. Aktuell ergibt sich ein Kurs-/Gewinn-Verhältnis von 24. Das ist hoch, aber nicht exorbitant. Eine Blase sieht für mich jedenfalls anders aus. Das liegt eben auch daran, dass in dem Index viele Stabilitätsanker mitenthalten sind, die moderierend wirken. Die Dividendenrendite ist mit etwa 1,7 Prozent ordentlich, das Kurs-/Buchwert-Verhältnis mit dem Faktor 3 nicht überzogen.”

Brune zieht deshalb folgendes Fazit: “Es ist nicht unbedingt der Zeitpunkt, um große neue Positionen im MSCI World aufzubauen. Kurzfristig könnte es wegen der etwas eingetrübten Stimmung US-Aktien gegenüber sicherlich etwas billiger werden. Sparpläne auf einen entsprechenden ETF können aber ohne Probleme weiterlaufen. Die Streuwirkung des Index ist aus meiner Sicht intakt und gut für jedes Anlegerdepot.”

Autor: Ferdinand Hammer, wallstreet:online Zentralredaktion

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