CLEVER HANDELN
Richten Sie Börsennews.de als Startseite ein
Hier klicken

Johnson & Johnson: Bedeutet der düstere Ausblick Schwierigkeiten für große Pharma-Aktien?

17:25 Uhr 31.01.2019

Jedes Jahr im Januar teilen die Führungskräfte von Johnson & Johnson (WKN: 853260) ihre Erwartungen an das kommende Jahr mit. Dieses Jahr gefiel den Anlegern aber nicht, was sie hörten. Das Unternehmen erwartet 2019 und im drauf folgenden Jahr nämlich kein großes Wachstum im Pharmasektor.

Zum Teil war der Preisdruck normal, aber die alte Methode, diese Verluste durch Preiserhöhungen bei anderen erfolgreichen Produkten auszugleichen, funktioniert nicht mehr. Hier ist, warum wir in dieser Quartalssaison ähnliche Bedenken von J&Js Wettbewerbern hören könnten.

Warum Big-Pharma-Investoren nervös sind

Im Jahr 2018 wuchs der weltweite Umsatz des Pharmasegments von J&J um 12,4 % auf 40,7 Mrd. US- Dollar, wobei der Umsatz in den USA nur um 8,4 % stieg. Das ist nicht unbedingt schlecht, aber während der Telefonkonferenz erschreckte das Management die Anleger, indem es sagte, dass die Nettopreise in den USA im vergangenen Jahr trotz weiter steigender Listenpreise zwischen 6 % und 8 % gefallen seien. Das Unternehmen sagte nicht, dass die Nettopreise 2019 wieder fallen würden, aber es gab auch keine Zusicherungen, dass sie es nicht tun würden.

Sobald die Versicherer über mehrere Behandlungsmöglichkeiten verfügen, aus denen sie wählen können, fordern sie gerne enorme Rabatte von den Arzneimittelherstellern. Im Gegenzug erleichtern die Versicherer den Patienten den Zugang zu stark vergünstigten Medikamenten, und Arzneimittelhersteller, die sich weigern, das Rabattspiel zu spielen, verlieren Marktanteile.

Das ist nicht das erste Mal, dass Johnson & Johnson einen Nettopreisrückgang meldet. Im Jahr 2017 sanken die Nettopreise trotz einer 8,5%igen Listenpreiserhöhung um 4,6 %. J&J ist nicht das einzige große Pharmaunternehmen, das darunter leidet. Im Jahr 2010 lag der durchschnittliche Rabatt für die Produktlinie von Merck & Co (WKN: A0YD8Q) bereits bei 27 % des Listenpreises. Bis 2017 stieg dieser auf 45 %, und im selben Jahr lag der durchschnittliche Rabatt von Eli Lilly (WKN: 858560) bei 51 % der Listenpreise.

Dieser Prozess ist so außer Kontrolle geraten, dass die Pharmaindustrie tatsächlich einen Plan zur Senkung der Arzneimittelpreise durch Regulierung der Rabattpraktiken unterstützt. Der Antrag scheint aber nicht schnell vorwärts zu kommen, weshalb die Konsens-Schätzungen für die Pharma-Sparte von J&J einen Umsatzanstieg von nur 2,9 % im Jahr 2019 und weitere 4,8 % im Jahr 2020 erwarten lassen.

Was ist gefährdet?

Das Analyseunternehmen IQVIA bemerkte, dass die Nettopreise für geschützte Marken im Jahr 2017 nur um 1,9 % gestiegen waren, während die Listenpreise für die Verbraucher im Durchschnitt um 6,9 % gestiegen sind. Die Ergebnisse des vierten Quartals von Johnson & Johnson deuten darauf hin, dass sich der Trend auch im Jahr 2018 fortsetzte, und sich immer noch verschlimmert.

So konkurriert beispielsweise J&Js Blutverdünner Xarelto der nächsten Generation mit einer ähnlichen Behandlungsoption von Bristol Myers Squibb (WKN: 850501) namens Eliquis. Der Marktanteil von Xarelto stieg in Q4, aber nur, weil J&J starke Rabatte anbot, die den Nettoumsatz des Medikaments im Vergleich zum Vorjahr um 14 % senkten.

Einige Bereiche werden viel härter getroffen als andere. Die Spanne zwischen Listen- und Nettopreisen für antivirale Hepatitis-C-Präparate ist so groß geworden, dass Gilead Sciences (WKN: 885823) im vergangenen Jahr mit dem Verkauf generischer Versionen seiner Eigenmarken begann. Laut IQVIA sind die Listenpreise für Medikamente gegen chronische Atemwegserkrankungen und Diabetes in der Regel 40 % höher als die von den Herstellern erzielten Nettopreise.

Etwas mehr als die Hälfte des gesamten Pharmaumsatzes von Eli Lilly kommt von einer Reihe von Diabetes-Medikamenten und im Jahr 2017 stiegen die durchschnittlichen Rabatte in der gesamten Produktlinie von Lilly auf 51 % des fakturierten Umsatzes. Das Unternehmen muss das Rabattspiel gut gespielt haben, denn in den ersten neun Monaten 2018 stieg der Gesamtumsatz aus Diabetes um 20 % gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Das Diabetes-Segment von Eli Lilly verdankt einen großen Teil seines jüngsten Erfolgs den kürzlich eingeführten Medikamenten. Der Januvia-Franchise von Merck, die 2006 gegründet wurde, läuft nicht so gut. In den ersten neun Monaten des Jahres 2018 sank der Umsatz der Typ-2-Diabetes-Tablette um 8,5 % auf 2,1 Mrd. US-Dollar.

Was nicht gefährdet ist

Ein Bereich, in dem die Versicherungen extrem zögern, Rabatte einzufordern, ist ? erfreulicherweise für Merck ? die Onkologie. Keytruda, der führende Wachstumstreiber des Unternehmens, ist eine von mehreren neuen Krebstherapien, die verhindern, dass Tumore einen Angriff des Immunsystems stoppen.

Obwohl es mindestens ein halbes Dutzend Medikamente ähnlich wie Keytruda gibt, die für den Verkauf zugelassen sind, sind ihre Zulassungen spezifisch für Tumorlokalisationen und bestimmte Krankheitsstadien. Deshalb liegen die Rabatte auf Listenpreise bei Onkologieprodukten in der Regel unter 10 %.

Ist es Zeit, auszusteigen?

In Washington wurde über die Regulierung von Rabatten gesprochen, aber im Gesundheitsbereich ändert sich nichts schnell. In den kommenden Wochen könnte ein weiteres Meckern über sinkende Nettopreise von Johnson & Johnsons Wettbewerbern, die ihre Zahlen noch nicht gemeldet haben, zu einem großen Pharma-Ausverkauf führen.

Ist Johnson & Johnson es wert zu kaufen?

Wenn du in ein Unternehmen wie Johnson & Johnson investierst, dann solltest du besser die Zahlen verstehen und was sie dir sagen. Im Spezialbericht "15 Bilanzkennzahlen, die dich zu einem besseren Anleger machen" von The Motley Fool hat Analyst Bernd Schmid, 15 der wichtigsten Bilanzkennzahlen identifiziert, die du benötigst um herauszufinden, ob Johnson & Johnson wirklich gut aufgestellt ist oder ob das Unternehmen dabei ist, sich in Schwierigkeiten zu bringen. Klick einfach hier, um diesen kostenlosen Bericht zu erhalten.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Gilead Sciences. The Motley Fool besitzt Aktien von Johnson & Johnson.

Dieser Artikel wurde von Cory Renauer auf Englisch verfasst und am 24.01.2019 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Motley Fool Deutschland 2019

Autor: Motley Fool beitragende Investmentanalysten

Haftungsausschluss/Disclaimer

Die hier angebotenen Artikel dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und - je nach Art des Investments - sogar zu darüber hinausgehenden Verpflichtungen, bspw. Nachschusspflichten, führen können. Die Informationen ersetzen keine auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen.

Boersennews.de hat auf die veröffentlichten Inhalte keinerlei Einfluss. Boersennews.de hat bis zur Veröffentlichung der Artikel keine Kenntnis über Inhalt und Gegenstand der Artikel. Die Veröffentlichungen erfolgen durch externe Autoren bzw. Datenlieferanten. Infolgedessen können die Inhalte der Artikel auch nicht von Anlageinteressen von Boersennews.de und / oder seinen Mitarbeitern oder Organen bestimmt sein.

Im Artikel enthaltene Wertpapiere
Wertpapier ISIN Letzter Kurs Performance
GILEAD SCIENCES Aktienkurs US3755581036 63,25 € -2,00 %
ELI LILLY Aktienkurs US5324571083 116,50 € -2,88 %
JOHNSON & JOHNSON Aktienkurs US4781601046 138,52 € 0,36 %
BRISTOL-MYERS Aktienkurs US1101221083 45,80 € -0,48 %
MERCK Aktienkurs DE0006599905 94,50 € -0,44 %
MERCK & CO INC Aktienkurs US58933Y1055 73,92 € -4,69 %
Jetzt mitmachen: Aktuelle börsennews.de Umfrage
In immer mehr Städten drohen Diesel-Fahrverbote. Die Autoindustrie verspricht saubere Motoren. Würden Sie sich noch einen Diesel kaufen?
Der "Märkte am Mittag"-Newsletter
  • Täglich aktuelle Topnews
  • Die wichtigsten Aktien im Überblick
  • Exklusive Hintergrundanalysen

 
Keine Diskussionsbeiträge vorhanden!