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Auf der Wiesn wie im Laden: Was treibt den Bierpreis?

09:50 Uhr 18.09.2018
Bier
Ein Liter Bier kann im Laden 70 Cent oder mehr als zehn Euro kosten. Foto: Marius Becker

München (dpa) - Elf Euro: Für den Preis einer Maß Bier auf dem Oktoberfest gibt es im Getränkemarkt einen Zehn-Liter-Kasten Premium-Pils.

Neu ist dieses Jahr, dass die Preise auch im Handel gestiegen sind, stärker sogar als auf der Wiesn. «Die große Frage ist, wie lange das hält», sagte Marcus Strobl, Branchenexperte beim Marktforscher Nielsen. Und wer jetzt mehr verdient.

Getreide ist teurer geworden, «Gerste ist im Höhenflug», sagte Walter König, Geschäftsführer beim Bayerischen Brauerbund. Aber die Brauereien haben langfristige Lieferverträge, die Preiserhöhungen wirken sich erst nächstes Jahr aus - und auch dann nur minimal: Gerade mal 7 oder 8 Cent kostet das Malz für einen Liter Bier. Hopfen schlägt je nach Menge und Qualität mit knapp 2 Cent zu Buche oder mit bis zu 8 Cent - «wenn ich mich in Hopfen verliebe», so König. Das heißt, «die Rohstoffe stehen nicht so im Fokus, da haben die Landwirte schon recht». Auch Wasser, Kronkorken oder Etiketten seien eher winzige Kostenfaktoren.

Sehr unterschiedlich ist der Anteil, der an den Handel geht. Große Brauereien müssen Regalstellungskosten zahlen und in Werbung investieren. Da spart eine kleinere Brauerei, die viel an die Gastronomie und im Direktverkauf absetzt. Zudem nutzen Super- und Getränkemärkte Bier im Sonderangebot auch oft, um Kunden in die Läden zu locken.

Für die Preiserhöhung entscheidend seien die Lohn-, Energie- und Transportkosten, heißt es beim Brauerbund. «Die Brauer haben lange viel geschluckt und nicht auf den Preis umgelegt. Denn jeder Brauer weiß: Preiserhöhung bedeutet Mengenrückgang», erklärte König. «Da sind die Leute empfindlich, da probieren sie mal ein anderes Bier aus.» Aber allein die Löhne seien in zwei Jahren um 5 Prozent gestiegen. Jetzt sei das Maß voll gewesen.

Laut Statistischem Bundesamt lagen die Preise für den Gerstensaft im Juni um 4,1 Prozent über dem Vorjahresmonat. Drei Viertel ihres Biers kaufen die Deutschen im Laden. Die Marktforscher von Nielsen ermittelten für das erste Halbjahr einen Durchschnittspreis von 1,24 Euro je Liter Pils. Sommerwetter und Fußball-WM halfen, die Preiserhöhung durchzusetzen - der Bierabsatz stieg nach langem Abwärtstrend trotzdem um ein Prozent.

Die Preisspanne ist aber groß, je nach Sorte, Marke und Region. Ein Kasten Bier im Einstiegssegment ist für 6 Euro zu haben, im Hochpreissegment werden auch 17 Euro bezahlt. Einen Liter Pils gibt es in PET-Flaschen für 70 Cent, für Craft-Bier dagegen legen die Kunden auch mehr als 10 Euro hin. Teure Biere sind allerdings eine Nische, «da ist keine nennenswerte Menge dahinter», sagte Strobl.

Der Handel nutzt ein Dutzend Biermarken, die sogenannten «Fernsehbiere», als Lockvogel. Bei ihnen werden zwei Drittel der Menge in Deutschland als Sonderangebot verkauft - «der Angebotspreis ist schon fast der Durchschnittspreis», so Strobl. Ein Sonderangebot funktioniere aber auch mit 10,99 Euro pro Kiste, es müssten nicht 9,99 Euro sein. «Bisher hält das. Spannend wird es nächstes Jahr.» Bei den beiden vergangenen Preisrunden 2007 und 2013 hätten die höheren Preise gerade mal ein Jahr gehalten.

Auf dem Oktoberfest klettern die Bierpreise dieses Jahr um 3,6 Prozent auf bis zu 11,50 Euro. Die simple Faustformel in der Gastronomie, Einstiegspreis mal drei plus Mehrwertsteuer, gilt auf der Wiesn natürlich nicht. Allein der Auf- und Abbau eines Zelts kostet ein bis zwei Millionen Euro, die Musikkapelle gut 200 000, die Ordner im Zelt 400 000 Euro oder mehr, wie Wiesnwirt Christian Schottenhamel sagt.

Zudem hat die Stadt ihre Umsatzpacht für die Theresienwiese kräftig erhöht auf 6,1 Prozent für die kleinen und 7,8 Prozent für die großen Zelte. Damit wären in den bevorstehenden zwei Wiesnwochen bei einem erwarteten Nettoumsatz von 122 Millionen Euro 9,3 Millionen Euro Umsatzpacht zu erzielen, rechnete der Wirtschaftsreferent und Wiesnchef Josef Schmid vor. «Mit dem Bierpreis auf der Wiesn haben die Brauereien wenig zu tun», sagte Christoph Bohning vom Verein Münchener Brauereien.

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