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Borkenkäfer-Invasion lässt Fichtenholzpreise einbrechen

13:26 Uhr 02.10.2018
Borkenkäfer
Ein Borkenkäfer krabbelt über die Unterseite einer Fichtenrinde. Foto: Roland Weihrauch

Hagen (dpa) - Fichtenholzpreise im freien Fall: Weil Millionen von Bäumen dem Borkenkäfer bereits zum Opfer gefallen sind, ist der Markt für Fichtenholz massiv unter Druck geraten.

Noch ist ein Ende der Invasion nicht absehbar. Allein in Nordrhein-Westfalen geht das Umweltministerium in einer aktuellen Schätzung von bis zu 2,1 Millionen Kubikmetern befallenem «Käferholz» aus. Das entspricht knapp zwei Millionen abgestorbenen Bäumen. Noch vor wenigen Wochen hatten Experten die Zahl nur etwa halb so hoch geschätzt. Das volle Ausmaß der Schäden sei jedoch erst im Oktober erkennbar, hieß es.

Das Bundesland gilt damit unter Experten als einer der Schwerpunkte der Borkenkäfer-Ausbreitung. Hintergrund sind eher ungünstige Wachstumsbedingungen im Flachland für den auf kühle und feuchte Höhenlagen ab etwa 800 Höhenmetern spezialisierten Nadelbaum. Waldbesitzer klagen jedoch bundesweit über massive Schäden in Milliardenhöhe. Dabei werden neben den Folgen der Dürre im Sommer auch die Stürme zum Jahresbeginn für die aktuelle Massenvermehrung der Borkenkäfer verantwortlich gemacht.

«Das Holz ist nichts mehr wert», sagte Heidrun Buß-Schöne, Geschäftsführerin des nordrhein-westfälischen Waldbauernverbands. 60 bis 100 Jahre alte Fichten würden derzeit oft für den Brennholzpreis verkauft. Während der Preis für Fichtenholz noch zum Jahresanfang bei etwa 90 bis 95 Euro gelegen habe, habe sich der Wert vielfach nahezu halbiert. Beim Forstbetrieb Wald und Holz geht Sprecher Michael Blaschke von Einbußen von durchschnittlich etwa 30 Prozent aus.

Fichtenholz wird wegen seiner gut zu verarbeitenden, langen und geraden Stämme vor allem in der Bauwirtschaft eingesetzt, aber auch in der Möbel-, Verpackungs- und Parkettindustrie. Derzeit sorgt vor allem der Bauboom eigentlich für eine hohe Nachfrage. Doch bereits in einigen Jahren könnte Fichtenholz zur Mangelware werden, meinte Jörg Dommermuth vom Regionalforstamt Märkisches Sauerland.

Ob schließlich Bauherren sowie Möbel und Parkettkäufer von den gesunkenen Preisen profitieren werden, sei derzeit noch unklar, sagte Georg Lange vom Hauptverband der deutschen Holzindustrie. Für die Weiterverarbeitung sei es wichtig, dass die befallenen Bäume sofort geschlagen würden, nur dann drohe dem Holz kein Qualitätsverlust. «Es kommt darauf an, dass man schnell handelt», sagte er. Sobald der Baum jedoch anfange, seine Rinde zu verlieren, hätten Pilze und andere Schädlinge schnell freie Bahn.

Förster würden die befallenen Stämme gern schnell aus den Wäldern holen, schon um die drohende weitere Ausbreitung des Borkenkäfers zumindest einzudämmen, sagte Dommermuth. Doch Waldarbeiter und vor allem Transportunternehmen, die die Stämme zu den Sägewerken bringen, seien derzeit Mangelware. Die Aufarbeitung der Schäden werde vermutlich noch Jahre dauern, meinte Dommermuth. «Und das Fressen geht weiter.»

Ein Ende der Invasion ist derzeit nicht in Sicht. Nachdem sich die Käfer bei den nun kühler werdenden Temperaturen demnächst in den Boden zurückziehen, ist im Frühjahr 2019 mit einer neuen Generation zu rechnen. «Für die Waldbesitzer ist das eine Katastrophe», stellte Dommermuth fest.

Schon jetzt ist jedoch unter Fachleuten klar, dass sich die Wälder deutlich verändern werden. Die lange Zeit als sichere Ertragsquelle von den Waldbesitzern geschätzte Fichte soll an den Klimawandel angepassten Baumarten weichen. «Die Bedeutung der Fichte wird abnehmen», ist sich Blaschke sicher. In den Wäldern könnten künftig etwas japanische Sicheltannen, Mammutbäume oder Esskastanien wachsen.

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