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Der Preiskampf im Lebensmittelhandel flammt wieder auf

10:50 Uhr 11.03.2019
Aldi
«Wieder Preise gesenkt» bei Aldi: Verbraucher können sich in diesen Wochen über besonders günstige Sonderangebote freuen. Foto: Fredrik von Erichsen

Düsseldorf (dpa) - Bauer-Joghurt für 17 Cent, die 1,25-Liter-Flasche Cola für 77 Cent oder die Wagner-Pizza für 1,44 Euro: Der deutsche Lebensmittelhandel kämpft mit immer schärfer kalkulierten Sonderangeboten um die Kunden.

Angetrieben wird der Preiskampf vor allem von Aldi und Lidl. Denn die schwelende Rivalität zwischen den großen deutschen Discountern ist wieder aufgeflammt - zur Freude vieler Verbraucher.

Dabei war es zuletzt lange Zeit recht ruhig an der Preisfront: «Der Lebensmittelhandel hat sich in den vergangenen Jahren relativ zurückgehalten mit Preiskriegen, weil die Händler sehr viel Geld in die digitale Transformation und die Aufwertung ihrer Läden stecken mussten», beschreibt der Handelsexperte Boris Planer vom Analysehaus Edge by Ascential die Lage.

Doch spätestens Anfang Februar war es mit dem Burgfrieden vorbei. Denn da änderte Aldi plötzlich seine Preisstrategie grundlegend. Hatte der Discount-Marktführer bis dahin bei Markenartikeln aus seinem Sortiment auf eine Strategie der Dauer-Niedrigpreise gesetzt und ihn Kauf genommen, dass ihn die Konkurrenz mit ihren Sonderangeboten immer wieder vorführte, so stieg er nun mit kräftigem Werbegetöse in die Preiskämpfe der Wettbewerber ein.

Zum Auftakt bot Aldi die 1,25-Liter-Flasche Coca-Cola aus seinem Dauersortiment im Sonderangebot für 79 statt 99 Cent an und das 250-Gramm-Päckchen Kerrygold-Butter für 1,69 statt 2,39 Euro. Doch das Machtwort von Aldi beeindruckte die Wettbewerber kaum.

Im Gegenteil: Lidl reagierte prompt und verkaufte nur wenige Tage später die Cola für 77 Cent, und auch die Kerrygold-Butter fand sich bei Rewe und Penny plötzlich für 1,66 Euro im Angebot. Kaum brachte Aldi ein neues Sonderangebot auf den Markt, so schien es in den vergangenen Wochen, nutzte irgendein Wettbewerber die Gelegenheit, es zu unterbieten - und Aldi musste nachziehen.

Das Branchenfachblatt «Lebensmittel Zeitung» spricht deshalb bereits von einem «erbitterten Streit um die Preishoheit im Discount-Geschäft». Einige Aktionspreise für wichtige Markenartikel hätten schon neue Tiefststände erreicht. Bei Molkereiprodukten seien inzwischen Abschläge von 50 Prozent nichts Ungewöhnliches mehr.

Für die Händler geht es um viel. «Aldi verteidigt seinen Markenkern: Dass der Kunde darauf vertrauen kann, nirgendwo anders einen besseren Deal zu kriegen», betont Branchenkenner Planer. Gerade Lidl und Kaufland hätten diesen Anspruch immer wieder in Frage gestellt, seitdem auch Aldi Markenartikel anbiete. «Da wird jetzt eine Schlacht ausgetragen, die nicht so schnell vorbei sein wird», meint er.

Matthias Queck von Retailytics, der Analystengruppe der «Lebensmittel Zeitung», glaubt, dass Aldi ein ehrgeiziges Ziel verfolgt. «Aldi ist im Preiseinstiegsbereich nach wie vor unangefochten der Lebensmittelhändler, der mit seinen Eigenmarken die Preisuntergrenze definiert, und alle anderen folgen fast sklavisch diesen Vorgaben», betont er. Diese Position wolle Aldi jetzt offenbar auch bei Sonderangeboten für Markenartikel erzwingen.

Das Problem dabei: Die Konkurrenz spielt nicht mit. Der Rivale Lidl etwa sieht Markenartikel als sein ureigenes Terrain an und ist nicht bereit, in seiner Paradedisziplin klein beizugeben. Klaus Gehrig, der Chef der Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, prophezeite kürzlich, dass es im Wettbewerb künftig noch aggressiver zugehen werde. Sowohl Lidl als auch Kaufland würden weiter an der Preisschraube drehen.

Schöne Zeiten für die Verbraucher also? Ja und nein, findet der Handelsexperte Queck. «Es gibt jetzt tendenziell mehr Sonderangebote mit einem besonders hohen Abschlag, gern zum halben Preis. Sozusagen das Sonderangebot unter den Sonderangeboten», sagt er. Doch gebe es auch gegenläufige Entwicklungen. So hätten sich die Preise in einigen Warengruppen - etwa bei Tafelschokolade - «auf einem deutlich höheren Niveau stabilisiert als noch vor einigen Jahren üblich».

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